Johann Gabriel Seidl

Zur Erntezeit

Es wogt ein Meer mit goldnen Wogen,
Viel tausend Perlen schließt es ein;
Von solchem Reichtum angezogen
Stürzt sich das Volk der Taucher drein;
Bald müssen sich, des Inhalts wegen,
Die Wogen selbst gehorsam legen.

Das goldne Meer, die Felder sind es
Mit ihrer Körner Perlensaat,
Die bei dem Säuselhauch des Windes
Sanft überfluten ihr Gestad,
Und emsger Schnitter Fuß bespülen,
Die, wie die Taucher, drinnen wühlen.

Die Zeit der Ausbeut' und der Ernte
Sie ist nun da, — sie blieb nicht aus;
Drum wer zu hoffen schon verlernte,
Der tret' hervor aus seinem Haus,
Damit ihm jedes Korn der Ähre
Für seine Hoffnung Trost gewähre!

Denn wer gesät, dem darf nicht bangen,
Ward nur die Saat mit Gott getan.
Wie manches Korn ist aufgegangen,
Was man verstreut auf flücht'ger Bahn,
Und hat in später Zukunft Tagen
Noch süße Frucht des Dank's getragen!

Und wenn's dem Guten mag gelingen.
Zu sä'n oft, ohne daß er's weiß,
Wie soll die Saat nicht Segen bringen,
Die wir erzieh'n mit frommem Fleiß?
Drum ist wohl, was wir Mißjahr schelten,
Auf Feldern und im Herzen selten.

Und also erntet, was der Acker,
Und erntet, was das Herz gebracht,
Und kommt der Lenz, so werde wacker
Mit Gott die Aussaat neu gemacht,
Daß weder brach das Feld euch liege,
Noch eurer Herzen Kraft versiege.