Johann Gabriel Seidl

Schmiedlied

(Zum Amboß)

Wenn wir am frühen Morgen
Schon hämmern drauf und dran,
So schläft noch ohne Sorgen
Das Liebchen nebenan.
(Da bringt man ihm im Liede
Den Morgengruß nach Brauch:
Und pocht es in der Schmiede,
So pocht's im Herzen auch!)

Ein Handwerk ohne Liebe
Das wär' ein traurig Sein,
Wenn so kein Bild uns bliebe,
Das winkt mit goldnem Schein.
(Es lindert die Beschwerde
Mit sanftem Friedenshauch:
Und brennt es auf dem Herde,
So brennt's im Herzen auch!)

Nicht immer bleibt es heiter,
Oft wird der Himmel trüb,
Wir hämmern fröhlich weiter,
Weil uns die Hoffnung blieb.
(Denn dünkt uns gleich die Kammer
Recht traurig manchen Tag,
So übertäubt der Hammer
Des Herzens bangen Schlag!)

Drum soll die Liebe leben
Seid frisch und froh zur Hand;
Nur Fleiß und Frohsinn weben
Des Glückes dauernd Band.
(Weil noch die Wange blühet.
Führt schnell die Meistrin ein:
So lang das Eisen glühet,
Will's auch geschmiedet sein!)