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Die besten Gedichte von Selma Meerbaum-Eisinger (1924 - 1942) - einer rumänisch deutschsprachigen Dichterin (Epoche des Impressionismus), die als verfolgte Jüdin achtzehnjährig im Zwangsarbeitslager Michailowka (heutige Ukraine) starb. Ihr Werk, u.a die Gedichtbände "Ich bin in Sehnsucht eingehüllt", "Ich gehe mit der Nacht vereint" sowie "Blütenlese" werden mittlerweile zur Weltliteratur gezählt.

Inhalt

Berühmte Gedichte

Bekannte Gedichte

Kurze Gedichte

Spürst du es nicht, wenn ich um dich weine,
bist du wirklich so weit?
Und bist mir doch das Schönste, das Eine,
um das ich sie trage, die Einsamkeit.

 

Welke Blätter

Plötzlich hallt mein Schritt nicht mehr,
sondern rauschet leise, leise,
wie die tränenvolle Weise,
die ich sing’, von Sehnsucht schwer.
Unter meinen müden Beinen,
die ich hebe wie im Traum,
liegen tot und voll von Weinen
Blätter von dem großen Baum.

Tragik

Das ist das Schwerste: sich verschenken
und wissen, dass man überflüssig ist,
sich ganz zu geben und zu denken,
dass man wie Rauch ins Nichts verfließt.

Den gelben Astern ein Lied

Sie blicken durch den Regen hell mich an,
so licht, daß sie die Sonne mir ersetzen.
Und gar nichts von des Regens Trauer kann
die leuchtend gelbe Freude mir verletzen.
Auflachend neigen sie sich in dem Grün,
das rein und frisch ihr Lachen mir begleitet –
ich leg' ihnen mein Lied zu Füßen hin,
weil sie mir eine Freude heut bereitet.

Steckbrief

Meerbaum-Eisinger (geboren am 5. Februar 1924) war die Tochter des Kaufmanns Max Meerbaum in Cernăuţi (Czernowitz), einer Stadt in der Nordbukowina des rumänischen Königreichs (heute Czernowitz, Ukraine). Eisinger war der Nachname ihres Stiefvaters. Schon in jungen Jahren begann sie, Literatur zu studieren.
Ihr Werk zeigt einen starken Einfluss derer, die sie studierte: Heinrich Heine, Rainer Maria Rilke, Klabund, Paul Verlaine und Rabindranath Tagore. 1939 begann sie, Gedichte zu schreiben, und war bereits eine geschickte Übersetzerin, die zwischen Französisch, Rumänisch, Jiddisch und ihrer deutschen Muttersprache übersetzen konnte. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen im Juli 1941 und der Abtretung der Region, in der sie lebte, an die Sowjetunion im Jahr 1940 war die Familie gezwungen, in das Ghetto der Stadt umzuziehen. 1942 wurde die Familie in das Arbeitslager Mikhailovka in Transnistrien deportiert, wo sie bald (16. Dezember 1942) an Typhus starb.

Meerbaum-Eisingers Werk umfasst 57 Gedichte, die mit Bleistift geschrieben und von Hand zu einem Band mit dem Titel "Blütenlese" gebunden wurden. 52 Gedichte stammen von ihr selbst, der Rest sind Übersetzungen aus dem Französischen (Paul Verlaine), Jiddischen (Itzik Manger, H. Leivick) und Rumänischen (Discipol Mihnea). Der Band war ihrer großen Liebe und bestem Freund Lejser Fichman gewidmet. Es war geplant, dass Fichman den Gedichtband einem anderen Freund von Meerbaum-Eisinger übergeben sollte, der das Buch nach seiner Ankunft im Mandatsgebiet Palästina veröffentlichen sollte. Fichman starb jedoch auf der Reise und konnte das Buch nicht mehr weitergeben. Ihre Gedichte wurden wiederentdeckt und 1979 von der Universität Tel Aviv veröffentlicht, herausgegeben von Adolf Rauchwerger. Im Jahr 1980 wurden sie dann dank der Bemühungen des Journalisten und Forschers Jürgen Serke in Deutschland veröffentlicht. Das verschollene Buch wurde in seiner Gesamtheit unter dem Titel "Ich bin in Sehnsucht eingehüllt" veröffentlicht.

Die von Meerbaum-Eisinger hinterlassenen Gedichte sind in einem auffallend selbstbewussten und lyrisch-impressionistischen Stil verfasst, der von einer allgemein melancholischen Stimmung durchzogen ist. Die Lyrikerin Hilde Domin sagte, ihre Gedichte seien "klar, schön, leicht und vermitteln doch ein Gefühl der Vorahnung". Ihre Gedichte gelten zusammen mit den Gedichten von Rose Ausländer und Paul Celan als ein wichtiger Teil der deutsch-jüdischen Kultur der Bukowina.

Bekannte Gedichte renommierter Poeten, die sich der Lyrik verschrieben haben: