Friedrich Spee

Lob Gottes aus Beschreibung der fröhlichen Sommerzeit

Jetzt wicklet sich der Himmel auf,
   Jetzt bwegen sich die Räder,
Der Frühling rüstet sich zum Lauf
   Umgürt' mit Rosenfeder.
O wie schön, wie frisch und kraus,
   Wie glänzend Elementen!
Nit mügens gnugsam streichen aus
   Noch Redner, noch Skribenten.
      O Gott, ich sing von Herzen mein,
      Gelobet muß der Schöpfer sein.

O reines Jahr! O schönerTag!
   O spiegelklare Zeiten!
Zur Sommerlust nach Winterklag
   Der Frühling uns wird leiten.
Im Luft ich hör die Musik schon,
   Wie sichs mit Ernst bereite,
Daß uns empfang mit süßem Ton
   Und lieblich hin begleite.
      O Gott, ich sing von Herzen mein,
      Gelobet muß der Schöpfer sein.

Die Blümlein, schau, wie tretens an,
   Und wunderschön sich arten!
Violen, Rosen, Tulipan,
   All Kleinod stolz im Garten,
Jacynthen, und Gamanderlein,
   Dann Safran, und Lawendel;
Auch Swertlein, Lilgen, Nägelein,
   Narciß, und Sonnenwendel.
      O Gott, ich sing von Herzen mein,
      Gelobet muß der Schöpfer sein.

Bald auch die zahm und fruchtbar Bäum
   Sich freudig werden zieren,
Mit weichem Obst, mit Kinderträum,
   Nuß, Äpfel, Kirsch- und Biren.
Die Biren gelb, die Äpfel rot,
   Wie Purpur die Granaten,
Die Pfersich bleich wie falber Tod,
   Die Kirschen schwarz geraten.
      O Gott, ich sing von Herzen mein,
      Gelobet muß der Schöpfer sein.

Die reine Flüß, kristallenklar,
   Verbrämt mit grünen Weiden,
Von Schatten schier bedecket gar,
   Die Sonnenhitz vermeiden.
Sich üben dort mit Schwimmen viel,
   In Schnee gefärbte Schwanen.
Dort haltens ihre Freudenspiel,
   Auf glatten Wasserplanen ...
      O Gott, ich sing von Herzen mein,
      Gelobet muß der Schöpfer sein.