Friedrich Leopold Graf zu Stolberg

Andenken des Wandsbecker Boten

Der Bote ging in schlichtem Gewand,
Mit geschältem Stab in der biedern Hand,
Ging forschend wohl auf und forschend wohl ab,
Von der Wiege des Menschen bis an sein Grab.
Er sprach bei den Frommen gar freundlich ein,
Bat freundlich die andern, auch fromm zu sein,
Und sahn sie sein redliches, ernstes Gesicht,
So zürnten auch selbst die Toren ihm nicht.
Doch wußten nur wenige, denen er hold,
Daß im hölzernen Stabe gediegenes Gold,
Daß heimliche Kraft in dem hölzernen Stab,
Zu erhellen im Lichte des Himmels das Grab.

Nun ruhet er selbst in der kühligen Gruft,
Bis die Stimme des hehren Erweckers ihn ruft;
O, gönnet ihm Ruh in dem heiligen Schrein
Und sammelt die Ernten des Säemanns ein!
Er säte das Wort und sein Leben war Frucht,
Er führete lächelnd zu heiliger Zucht;
O, spendet ihm Blumen aufs einsame Grab
Und schauet getrost in die Ruhstätt hinab!
Und begrüßet mit Wünschen sein trauliches Weib,
Die zartere Seel in dem zarteren Leib;
Die mit ihm in heiliger Liebe gepaart,
In Tränen der großen Vereinigung harrt.