Gedichte Gedichte

Die besten Gedichte von Theodor Fontane (1819 - 1898) - einem bedeutenden deutschen Schriftsteller, Journalisten, Kritiker und Dichter (Epoche des Realismus).

Bekannte Gedichte

Kurze Gedichte

Kummer sei lahm! Sorge sei blind!
Es lebe das Geburtstagskind!

Das Schönste, was ein Mensch hinterlassen kann, ist ein Lächeln im Gesicht derjenigen, die an ihn denken.

Ruhig sein, nicht ärgern, nicht kränken,
Ist das allerbeste Schenken;
Aber mit diesem Pfefferkuchen
Will ich es noch mal versuchen.

Du wirst es nie zu Tüchtgem bringen

Du wirst es nie zu Tücht′gem bringen
Bei deines Grames Träumerein,
Die Tränen lassen nichts gelingen,
Wer schaffen will, muß fröhlich sein.

Wohl Keime wecken mag der Regen,
Der in die Scholle niederbricht,
Doch golden Korn und Erntesegen
Reift nur heran bei Sonnenlicht.

Ein neues Buch, ein neues Jahr

Ein neues Buch, ein neues Jahr
Was werden die Tage bringen?!
Wird′s werden, wie es immer war,
Halb scheitern, halb gelingen?

Ich möchte leben, bis all dies Glühn
Rücklässt einen leuchtenden Funken.
Und nicht vergeht, wie die Flamm′ im Kamin,
Die eben zu Asche gesunken.

Erfolganbeter

Nie hab′ ich ein dummeres Stück gelesen.
»Das Haus ist ausverkauft gewesen.«

Farbe, Linien, alles verschwommen.
»Die Jury hat es angenommen.«

Ein Skandal ist seine Art zu leben.
»Der Botschafter hat ihm ein Fest gegeben.«

Glauben Sie mir: er ist ein Kujon.
»Hat aber eine Taler-Million.«

Ausgang

Immer enger, leise, leise
Ziehen sich die Lebenskreise,
Schwindet hin, was prahlt und prunkt,
Schwindet Hoffen, Hassen, Lieben,
Und ist nichts in Sicht geblieben
Als der letzte dunkle Punkt.

Der Schwester zu Silvester

Habe ein heitres, fröhliches Herz
Januar, Februar und März,
Sei immer mit dabei
In April und Mai,
Kreische vor Lust
In Juni, Juli und August,
Habe Verehrer, Freunde und Lober
In September und Oktober,
Und bleibe meine gute Schwester
Bis zum Dezember und nächsten Silvester.

Aber es bleibt auf dem alten Fleck

"Wie konnt' ich das tun, wie konnt' ich das sagen",-
So hört man nicht auf, sich anzuklagen,
Bei jeder Dummheit, bei jedem Verlieren
Heißt es: "Das soll dir nicht wieder passieren".
Irrtum! Heut traf es bloß Kunzen und Hinzen,
Morgen trifft es schon ganze Provinzen,
Am dritten Tag ganze Konfessionen,
Oder die "Rassen, die zwischen uns wohnen",
Immer kriegt man einen Schreck,
Aber es bleibt auf dem alten Fleck.

Weitere kurze Gedichte

Leben & Werk

Heinrich Theodor Fontane wurde in Neuruppin, einer Stadt 30 Meilen nordwestlich von Berlin, in eine hugenottische Familie geboren. Im Alter von sechzehn Jahren ging er bei einem Apotheker in die Lehre, dem Beruf seines Vaters. Er wurde selbst Apotheker und schrieb 1839, im Alter von 20 Jahren, sein erstes Werk (Heinrichs IV. erste Liebe, heute verloren). Seine weitere Ausbildung erfolgte in Leipzig, wo er die Progressiven des Vormärz kennen lernte.

Sein erstes veröffentlichtes Werk, die Novelle Geschwisterliebe, wurde im Dezember 1839 im Berliner Figaro veröffentlicht. Sein Biograph Gordon A. Craig behauptet, dass darin nur wenige Hinweise auf eine schriftstellerische Begabung zu finden waren: "Obwohl das Thema des Inzests, das Fontane später beschäftigen sollte, hier berührt wird, ist die Rührseligkeit der Geschichte ... gleichzusetzen mit der Lahmheit ihrer Handlung und der Trägheit des Stils, in dem sie erzählt wird, und [die Charaktere] Clärchen und ihr Bruder sind beide so farblos, dass niemand hätte erahnen können, dass ihr Schöpfer eine Zukunft als Schriftsteller hatte."

Fontanes erste Anstellung als Apotheker war in Dresden, danach arbeitete er im Geschäft seines Vaters in der Stadt Letschin im Oderbruch. Vor dessen Provinzialität fliehend, veröffentlichte Fontane Artikel in der Leipziger Zeitung "Die Eisenbahn" und übersetzte William Shakespeare. 1843 trat er in Berlin einem literarischen Verein namens "Tunnel über der Spree" bei, wo er viele der bekanntesten deutschen Schriftsteller kennenlernte, darunter Theodor Storm, Joseph von Eichendorff und Gottfried Keller.

1844 trat Fontane in die preußische Armee ein und unternahm die erste von zahlreichen Englandreisen, die sein Interesse an altenglischen Balladen förderten, die er - ein lebenslanger Anglophiler - zu imitieren begann. 1845 verlobte er sich mit seiner späteren Frau Emilie Rouanet-Kummer, die er noch in der Schule kennengelernt hatte.

An den revolutionären Ereignissen von 1848 nahm Fontane nur kurz teil. Im Jahr 1849 gab er seinen Beruf als Apotheker auf und wurde hauptberuflich Journalist und Schriftsteller. Um seine Familie zu versorgen, nahm er eine Stelle als Schriftsteller bei der preußischen Zentralstelle für Presseangelegenheiten an, die die Presse in Richtung der deutschnationalen Sache beeinflussen sollte. Dort spezialisierte er sich auf britische Angelegenheiten, und die Agentur machte ihn für mehrere Jahre zu ihrem Korrespondenten in London. Bald verließ er seinen Regierungsjob und wurde nach seiner Rückkehr nach Berlin Redakteur der konservativen Neuen Preußischen Zeitung.

Im Jahr 1870 kündigte Fontane seine Stelle bei der Kreuzzeitung und wurde Theaterkritiker bei der liberalen Vossischen Zeitung, eine Stelle, die er bis zu seiner Pensionierung innehatte. 1870 ging er an die Front, um den Deutsch-Französischen Krieg zu beobachten, und blieb nach seiner Gefangennahme bei Vaucouleurs drei Monate in französischer Gefangenschaft.

Im Alter von 57 Jahren begann Fontane schließlich mit der Arbeit an seinen Romanen, für die er heute am besten in Erinnerung ist. Einem feinen historischen Liebesroman, Vor dem Sturm (1878), folgte eine Serie, die das moderne Leben erkundete, insbesondere L'Adultera (Frau im Ehebruch, 1882), der erste seiner Gesellschaftsromane, der wegen seines Themas Ehebruch als riskant galt.

Seine Romane Irrungen, Wirrungen (1888), Frau Jenny Treibel (1892) und Effi Briest (1894-95) lieferten Einblicke in das Leben des Adels und der bürgerlichen Gesellschaft. Seine Leistung in dieser Hinsicht wurde später als poetischer Realismus bezeichnet. In Der Stechlin (1895-97), seinem letzten vollendeten Roman, passte Fontane die realistischen Methoden und die Sozialkritik der zeitgenössischen französischen Belletristik an die Bedingungen des preußischen Lebens an.

Er starb am Abend des 20. September 1898 in Berlin. Als Mitglied der Französischen Evangelischen Gemeinde zu Berlin wurde er auf dem Friedhof der Gemeinde in der Liesenstraße beigesetzt. Seine Frau Emilie wurde 4 Jahre später neben ihm beigesetzt.

Berühmte Verse renommierter Poeten, die sich der Lyrik verschrieben haben: