Ludwig Tieck

Trauer

Wie schnell verschwindet
So Licht als Glanz,
Der Morgen findet
Verwelkt den Kranz,

Der gestern glühte
In aller Pracht;
Denn er verblühte
In dunkler Nacht.

Es schwimmt die Welle
Des Lebens hin
Und färbt sich helle,
Hats nicht Gewinn;

Die Sonne neiget,
Die Röte flieht,
Der Schatten steiget,
Und Dunkel zieht:

So schwimmt die Liebe
Zu Wüsten ab;
Ach! daß sie bliebe
Bis an das Grab!

Doch wir erwachen
Zu tiefer Qual;
Es bricht der Nachen,
Es löscht der Strahl,

Vom schönen Lande
Weit weggebracht
Zum öden Strande,
Wo um uns Nacht.