Ludwig Tieck

An Novalis

Wer in den Blumen, Wäldern, Bergesreihen,
Im klaren Fluß, der sich mit Bäumen schmücket,
Nur Endliches, Vergängliches erblicket,
Der traure tief im hellsten Glanz des Maien.

Nur der kann sich der heiligen Schöne freuen,
Den Blume, Wald und Strom zur Tief entrücket,
Wo unvergänglich ihn die Blut entzücket,
Dem ewgen Glanze keine Schatten dräuen.

Noch schöner deutet nach dem hohen Ziele
Des Menschen Blick, erhabene Gebärde,
Des Busens Ahnden, Sehnsucht nach dem Frieden.

Seit ich dich sah, vertraut ich dem Gefühle,
Du müßtest von uns gehn und dieser Erde.
Du gingst: fahr wohl; wir sind ja nicht geschieden.