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Das Gedicht „Tiger“ stammt aus der Feder von Alfred Wolfenstein.

Die große Sonne scheint in seine Zelle
Und zieht auf seinem bunt gestreiften Felle
Noch andre Striche: schwarzer Stäbe Schatten.

Er blinzt hinauf mit wütendem Verlangen:
Das Licht durchbricht doch die zerbissnen Stangen!
Es legt sich innen zu ihm auf die Matten!

Kann sich die Sonne nicht mit ihm zusammen
Aufs Gitter werfen? Schmelzen heiße Flammen
Aus ihrer beider Rachen nicht die Platten?

Die Sonne ist nicht heiß, wie er sie kannte,
Als sie im fernen freien Himmel brannte –
Auch sie gefangen, malt hier Kerkerschatten.

Siehe auch: Der Panther von Rainer Maria Rilke.

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