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Das Gedicht „Totentanz“ stammt aus der Feder von Hugo Ball.

So sterben wir, so sterben wir,
Wir sterben alle Tage,
Weil es so gemütlich sich sterben lässt.
Morgens noch in Schlaf und Traum
Mittags schon dahin.
Abends schon zu unterst im Grabe drin.

Die Schlacht ist unser Freudenhaus.
Von Blut ist unsere Sonne.
Tod ist unser Zeichen und Losungswort.
Kind und Weib verlassen wir -
Was gehen sie uns an?
Wenn man sich auf uns nur
Verlassen kann.

So morden wir, so morden wir.
Wir morden alle Tage
Unsre Kameraden im Totentanz.
Bruder reck dich auf vor mir,
Bruder, deine Brust!
Bruder, der du fallen und sterben musst.

Wir murren nicht, wir knurren nicht.
Wir schweigen alle Tage,
Bis sich vom Gelenke das Hüftbein dreht.
Hart ist unsere Lagerstatt
Trocken unser Brot.
Blutig und besudelt der liebe Gott.

Anmerkung: Der "Totentanz" von Hugo Ball ist im Sommer 1915 als Parodie auf deutsche Soldatenlieder entstanden. Das Gedicht richtete sich gegen den Krieg, den Kaiser und die preußische Politik. Es erschien 1916 auf dem Titelblatt der Januarausgabe der Zürcher Zeitschrift "Der Revoluzzer". Die Zeitung war ein Sammelbecken der linken Opposition gegen die damalige Burgfriedenspolitik der Sozialdemokratie im Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg. Sie erschien von Jan. 1915 bis zum August 1916. Siehe auch das Gedicht Der Revoluzzer.
Zum Schlager entwickelten sich die Verse, als der Verfasser gemeinsam mit Hans Arp, Marcel Janco und Tristan Tzara am 5. Februar das "Cabaret Voltaire" (sozusagen die die Geburtsstätte des Dadaismus) in der Spiegelgasse (Zürich) begründete. Emmy Hennings sang den fünfstrophigen Text zur Melodie "Dessauer Marsch" (ein langsamer Infanteriemarsch der vermutlich aus Italien stammt).

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