Kurt Tucholsky

Danach

1930

Es wird nach einem happy end
im Film gewöhnlich abjeblendt.
      Man sieht bloß noch in ihre Lippen
      den Helden seinen Schnurrbart stippen –
      da hat sie nu den Schentelmen.
            Na, un denn –?

Denn jehn die beeden brav ins Bett.
Na ja ... diss is ja auch janz nett.
      A manchmal möcht man doch jern wissn:
      Wat tun se, wenn se sich nich kissn?
      Die könn ja doch nich imma penn...!
            Na, un denn –?

Denn säuselt im Kamin der Wind.
Denn kricht det junge Paar n Kind.
      Denn kocht sie Milch. Die Milch looft üba.
      Denn macht er Krach. Denn weent sie drüba.
      Denn wolln sich beede jänzlich trenn...
            Na, un denn –?

Denn is det Kind nicht uffn Damm.
Denn bleihm die beeden doch zesamm.
      Denn quäln se sich noch manche Jahre.
      Er will noch wat mit blonde Haare:
      vorn doof und hinten minorenn...
            Na, un denn –?

Denn sind se alt.
                  Der Sohn haut ab.
Der Olle macht nu ooch bald schlapp.
      Vajessen Kuß und Schnurrbartzeit –
      Ach, Menschenskind, wie liecht det weit!
      Wie der noch scharf uff Muttern war,
      det is schon beinah nich mehr wahr!
      Der olle Mann denkt so zurück:
      Wat hat er nu von seinen Jlück?
      Die Ehe war zum jrößten Teile
      vabrühte Milch un Langeweile.
Und darum wird beim happy end
im Film jewöhnlich abjeblendt.