Kurt Tucholsky

Lamento

1931

Der deutsche Mann
            Mann
                  Mann
das ist der unverstandene Mann.
   Er hat ein Geschäft, und er hat eine Pflicht.
   Er hat einen Sitz im Oberamtsgericht.
   Er hat auch eine Frau – das weiß er aber nicht.
   Er sagt: »Mein liebes Kind . . .«, und ist sonst ganz vergnügt -
   Er ist ein Mann., Und das
                  genügt.

Der deutsche Mann
            Mann
                  Mann
das ist der unverstandene Mann.
Der deutsche Mann
            Mann
                  Mann
   Die Frau versteht ja doch nichts von dem, was ihn quält.
   Die Frau ist dazu da, daß sie die Kragen zählt.
   Die Frau ist daran schuld, wenn ihm ein Hemdknopf fehlt.
                  Und kommt es einmal vor, daß er die Frau betrügt:
      Er ist ein Mann. Und das
                  genügt.

Der deutsche Mann
            Mann
                  Mann –
das ist der unverstandene Mann.
   Er gibt sich nicht viel Mühe, wenn er die Frau umgirrt.
   und kriegt er nicht die eine, kommt die andere angeschwirrt.
   Daher der deutsche Mann denn stets befriedigt wird.
   Hauptsache ist, daß sie bequem und sich gehorsam fügt.
   Denn er ist Mann. Und das
                  genügt.

Der deutsche Mann
            Mann
                  Mann –
das ist der unverstandene Mann.
   Er flirtet nicht mit seiner Frau. Er kauft ihr doch den Hut!
   Sie sieht ihn von der Seite an, wenn er so schnarchend ruht.
   Ein kleines bißchen Zärtlichkeit – und alles wäre gut.
      Er ist ein Beamter der Liebe. Er läßt sich gehn.
      Er hat sie doch geheiratet – was soll jetzt noch geschehn?
   Der Mensch, der soll nicht scheiden, was Gott zusammenfügt.
Er ist ein Mann. Und das
            genügt.