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Das Gedicht „Vanitas! Vanitatum Vanitas!“ stammt aus der Feder von Andreas Gryphius.

Die Herrlichkeit der Erden
Muss Rauch und Aschen werden,
Kein Fels, kein Aertz kann stehn.
Dies was uns kann Ergötzen,
Was wir für ewig schätzen,
Wird als ein leichter Traum vergehn.

Was sind doch alle Sachen,
Die uns ein Herze machen,
Als schlechte Nichtigkeit?
Was ist des Menschen Leben,
Der immer um muss schweben;
Als eine Phantasie der Zeit?

Der Ruhm nach dem wir trachten,
Den wir unsterblich achten,
Ist nur ein falscher Wahn.
So bald der Geist gewichen:
Und dieser Mund erblichen:
Fragt keiner was man hier getan.

Es hilft kein weises Wissen,
Wir werden hingerissen,
Ohne einen Unterschied.
Was nützt der Schlösser Menge?
Dem hie die Welt zu enge,
Dem wird ein enges Grab zu weit.

Dies alles wird zerrinnen,
Was Müh‘ und Fleiß gewinnen
Und saurer Schweiß erwirbt:
Was Menschen hier besitzen,
Kann für den Tod nicht nützen,
Dies alles stirbt uns, wenn man stirbt.

Ist eine Lust, ein Scherzen
Dass nicht ein heimlich Schmerzen
Mit Hertzens-Angst vergällt!
Was ists womit wir prangen?
Wo wirst du Ehr' erlangen
Die nicht in Hohn und Schmach verfällt?

Was pocht man auf die Throne?
Da keine Macht noch Krone
Kann unvergänglich sein.
Es mag vom Toten Reien,
Kein Zepter dich befreien.
Kein Purpur, Gold, noch edler Stein.

Wie eine Rose blühet,
Wenn man die Sonne siehet,
Begrüssen diese Welt:
Die eh der Tag sich neiget,
Eh sich der Abend zeiget,
Verwelkt, und unversehns abfällt:

So wachsen wir auf Erden
Und hoffen groß zu werden,
Und Schmerz- und Sorgen frei:
Doch eh wir zugenommen,
Und recht zur Blüte kommen,
Bricht uns des Todes Sturm entzwei.

Wir rechnen Jahr auf Jahre,
In dessen wird die Bahre
Uns für die Tür gebracht:
Drauf müssen wir von hinnen,
Und eh wir uns besinnen
Der Erden sagen gute Nacht.

Weil uns die Lust ergötzet
Und Stärke freie schätzet,
Und Jugend sicher macht;
Hat uns der Tod bestricket
Die Wollust fort-geschickt
Und Jugend, Stärk und Mut verlacht.

Wie viel sind jetzt vergangen!
Wie viel lieb-reicher Wangen,
Sind diesen Tag erblasst?
Die lange Räitung machten,
Und nicht einmal bedachten,
Dass ihn ihr Recht so kurz verfasst.

Auf Hertz! wach‘ und bedenke
Dass dieser Zeit Geschenke,
Den Augenblick nur dein.
Was du zuvor genossen?
Ist als ein Strom verschossen,
Was künftig: wessen wird es sein!

Verlache Welt und Ehre,
Furcht, Hoffen, Gunst und Lehre,
Und fleuch den Herren an.
Der immer König bleibet:
Den keine Zeit vertreibet:
Der einig ewig machen kann.

Wohl dem der auf ihn trauet!
Er hat recht fest gebauet,
Und ob er hier gleich fällt:
Wird er doch dort bestehen,
Und nimmermehr vergehen
Weil ihn die Stärke selbst erhält.

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