Angelina Westhagen

Angst

Ich stelle mich meiner Angst
Sie erzwingt jene Nähe zwischen uns
Die wir so gern vermieden hätten

Versteckt hätten wir uns gerne
Hinter der Fassade fröhlicher Freundschaft
Die schon lange nicht mehr lebt

Im falschen Lächeln erstarrt
Grüßt sie als grinsender Leichnam
Mitten im quirligen Leben
Unseren gemeinsamen wunden Punkt

Die Angst zwingt uns
In die Gedanken des Anderen
Und macht uns gegenseitig
Uns intensiv präsent

Unsere gemeinsame Angst
Vor der Wahrheit des Gegenüber
Gebärt einen neuen Körper der Hoffnung
Mit dem wir beide noch schwanger gehen

Dichter als Fleisch erfahrbar
Und dennoch so unsichtbar wie unsere Seelen