Angelina Westhagen

Gedankenkinder

Meine Gedanken wollen
Durch das Wort geformt
Ein Leben außerhalb meiner selbst beginnen

Sie sind meine geistigen Kinder
In völliger Unabhängigkeit von mir
Ihrer Schöpferin

Einmal ausgesprochen
Erproben sie ihre eigene Identität
Ziehen weit von mir weg
Und lassen sich manchmal hernieder
In die Köpfe anderer Menschen

Nicht alle meine Gedankenkinder
Waren stark und gut
Und dennoch habe ich sie
Alle zu verantworten

Sie zogen hinweg und vermählten sich
Mit den Gedanken der anderen
Brachten wiederum eigene Kinder zur Welt
Und müssen sich dem finalen Gütesiegel stellen

Das Unheil der Welt
Fußt auf all den unguten Gedanken
Die sich mit anderen
bösen Gedanken vermählten

Längst überprüfe ich meinen schwangeren Geist
Und beschwöre mein ungeborenes Gedankenkind
Bitte es, unschuldig die Erde zu betreten
Und sich nicht zu beschmutzen

Doch die Gedankenkinder lachen mich aus
Staunend, dass ich noch immer nicht begriff
Ohne Schuld ist kein Leben möglich
Nicht einmal in gedanklicher Schwangerschaft
Raunen sie mir zu

Längst kehren uralte Gedankenkinder
Zu mir zurück
Reich an Erfahrung
Mit der Bürde von Schuld
Die nicht zu verhindern war

In ihrem Antlitz leuchtet die Zuversicht
Sie erlernten das Lernen
Und wissen davon
Das alle Schuld in Unschuld
Sich einst wieder zu wandeln weiß