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Die besten Gedichte & Sonette von William Shakespeare (1564 - 1616) - einem der bedeutendsten englischen Dramatiker, Lyriker (Epoche der Renaissance) und Schauspieler.

Bekannte Gedichte

Kurze Gedichte

Willst du schon gehn? Der Tag ist ja noch fern.
Es war die Nachtigall, und nicht die Lerche,
Die eben jetzt dein banges Ohr durchdrang;
Sie singt des Nachts auf dem Granatbaum dort.
Glaub', Lieber, mir: es war die Nachtigall.

Quelle: Romeo und Julia, 1597, 3. Aufzug, 5. Szene, Julia

 

Leben ist nur ein wandelnd Schattenbild;
Ein armer Komödiant, der spreizt und knirscht
Sein Stündchen auf der Bühn', und dann nicht mehr
Vernommen wird: ein Märchen ist's, erzählt
Von einem Dummkopf, voller Klang und Wut,
Das nichts bedeutet.

Quelle: Macbeth, 1623, 5. Aufzug, 5. Szene, Macbeth

 

Wenn ihr uns stecht, bluten wir nicht? Wenn ihr uns kitzelt, lachen wir nicht? Wenn ihr uns vergiftet, sterben wir nicht? Und wenn ihr uns beleidigt, sollen wir uns nicht rächen?

Quelle: Der Kaufmann von Venedig; 3. Akt, 1. Szene / Shylock

 

Oh, sagt man doch, daß Zungen Sterbender
Wie tiefe Harmonie Gehör erzwingen;
Wo Worte selten, haben sie Gewicht:
Denn Wahrheit atmet, wer schwer atmend spricht.

Quelle: Richard II., 2. Akt, 2. Szene

 

Zweifle an der Sonne Klarheit,
Zweifle an der Sterne Licht,
Zweifl', ob lügen kann die Wahrheit,
Nur an meiner Liebe nicht.

Quelle: Tragödie "Hamlet, Prinz von Dänemark"; Übersetzung aus dem Englischen: August Wilhelm Schlegel.

 

Sie hätte später sterben können; es hätte
Die Zeit sich für ein solches Wort gefunden. -
Morgen, und morgen, und dann wieder morgen,
Kriecht so mit kleinem Schritt von Tag zu Tag,
Zur letzten Silb auf unserm Lebensblatt;
Und alle unsre Gestern führten Narren
Den Pfad zum staubigen Tod. Aus, kleines Licht!
Leben ist nur ein wandelnd Schattenbild,
Ein armer Komödiant, der spreizt und knirscht
Sein Stündchen auf der Bühn und dann nicht mehr
Vernommen wird; ein Märchen ists, erzählt
Von einem Blödling, voller Klang und Wut,
Das nichts bedeutet.

Quelle: Macbeth, Akt 5 Szene 5

 

Gib acht, Gevatter!

Halt', was du verheißt,
Verschweig', was du weißt,
Hab' mehr, als du leihst,
Reit' immer zumeist,
Sei wachsam im Geist,
Nicht würfle zu dreist,
Laß Dirnen und Wein
Und Tanz und Schalmei'n,
So findst du den Stein
Der Weisen allein.

Quelle: König Lear; Erster Aufzug, Vierte Szene.

 

Mottes Lied

Wenn rot und weiß die Mädchen blühn,
Hat Sünde nie ein Zeichen;
Sonst macht ein Fehltritt sie erglühn,
Die Furcht wie Schnee erbleichen,
Was Schuld sei oder Schrecken nur,
Wer möcht es unterscheiden,
Wenn ihre Wange von Natur
Die Farbe trägt der beiden?

Quelle: Verlorene Liebesmüh (auch: Liebes Leid und Lust; Love’s Labour’s Lost), 1598

 

Der Mann, der nicht Musik hat in ihm selbst,
Den nicht die Eintracht süßer Töne rührt,
Taugt zu Verrat, zu Räuberei und Tücken
Die Regung seines Sinns ist dumpf wie Nacht,
Sein Trachten düster wie der Erebus,
Trau' keinem solchen! – Horch auf die Musik!

Quelle: Der Kaufmann von Venedig; Fünfter Aufzug, Erste Szene

Leben & Werk

William Shakespeare war ein englischer Dramatiker, Dichter und Schauspieler, der weithin als der größte Schriftsteller der englischen Sprache und als der größte Dramatiker der Welt gilt. Er wird oft als Englands Nationaldichter und der "Barde von Avon" (oder einfach "der Barde") bezeichnet. Seine erhaltenen Werke, einschließlich der Kollaborationen, bestehen aus etwa 39 Theaterstücken, 154 Sonetten, drei langen erzählenden Gedichten und einigen anderen Versen, von denen einige von unsicherer Autorenschaft sind. Seine Stücke wurden in alle wichtigen lebenden Sprachen übersetzt und werden häufiger aufgeführt als die eines jeden anderen Dramatikers. Sie werden auch weiterhin studiert und neu interpretiert.

Shakespeare wurde in Stratford-upon-Avon, Warwickshire, geboren und wuchs dort auf. Im Alter von 18 Jahren heiratete er Anne Hathaway, mit der er drei Kinder hatte: Susanna und die Zwillinge Hamnet und Judith. Irgendwann zwischen 1585 und 1592 begann er eine erfolgreiche Karriere in London als Schauspieler, Schriftsteller und Teilhaber einer Schauspieltruppe namens Lord Chamberlain's Men, die später als King's Men bekannt wurde. Im Alter von 49 Jahren (um 1613) scheint er sich nach Stratford zurückgezogen zu haben, wo er drei Jahre später starb. Es sind nur wenige Aufzeichnungen über Shakespeares Privatleben erhalten; dies hat zu erheblichen Spekulationen über Themen wie seine körperliche Erscheinung, seine Sexualität, seine religiösen Überzeugungen und darüber, ob die ihm zugeschriebenen Werke von anderen geschrieben wurden, geführt.

Shakespeare produzierte die meisten seiner bekannten Werke zwischen 1589 und 1613. Seine frühen Stücke waren hauptsächlich Komödien und Historien und gelten als einige der besten Arbeiten, die in diesen Genres produziert wurden. Danach schrieb er bis 1608 hauptsächlich Tragödien, darunter Hamlet, Romeo und Julia, Othello, König Lear und Macbeth, die alle zu den besten Werken der englischen Sprache gezählt werden. In der letzten Phase seines Lebens schrieb er Tragikomödien (auch als Romanzen bekannt) und arbeitete mit anderen Dramatikern zusammen.

Viele von Shakespeares Stücken wurden zu seinen Lebzeiten in Ausgaben von unterschiedlicher Qualität und Genauigkeit veröffentlicht. Im Jahr 1623 veröffentlichten jedoch zwei Schauspielerkollegen und Freunde Shakespeares, John Heminges und Henry Condell, einen endgültigen Text, der als "First Folio" bekannt wurde, eine posthume Sammelausgabe von Shakespeares dramatischen Werken, die alle seine Stücke bis auf zwei enthielt. Dem Band wurde ein Gedicht von Ben Jonson vorangestellt, in dem Jonson Shakespeare in einem heute berühmten Zitat vorausschauend als "nicht für ein Zeitalter, sondern für alle Zeiten" pries.

Zitate über Shakespeare

"Viele bedeutende Dramatiker waren auch Schauspieler - Molière und Shakespeare beispielsweise. Sie kennen die Probleme eines Schauspielers, auch wenn die wenigsten gute Schauspieler waren." - Peter Ustinovs geflügelte Worte (siehe acuh seine Zitate)

"Nennen wir nun Shakespeare einen der größten Dichter, so gestehen wir zugleich, dass nicht leicht jemand die Welt so gewahrte wie er, daß nicht leicht jemand, der sein inneres Anschauen aussprach, den Leser in höherm Grade mit in das Bewußtsein der Welt versetzt. Sie wird für uns völlig durchsichtig, wir finden uns auf einmal als Vertraute der Tugend und des Lasters, der Größe, der Kleinheit, des Adels, der Verworfenheit, und dieses alles, ja noch mehr, durch die einfachsten Mittel. Fragen wir aber nach diesen Mitteln, so scheint es, als arbeite er für unsre Augen, aber wir sind getäuscht: Shakespeares Werke sind nicht für die Augen des Leibes."
Johann Wolfgang von Goethe, Schriften zur Literatur - Shakespeare und kein Ende I

"Es muss eingestanden werden, dass viele Kriminalromane so voller sensationeller Verbrechen sind wie ein Drama von Shakespeare." - Gilbert Keith Chesterton in Aphorismen und Paradoxa (siehe auch seine Zitate

Berühmte Verse renommierter Poeten, die sich der Lyrik verschrieben haben: