William Shakespeare

Sonett 55

Kein Marmor und kein goldnes Fürstenmal
Wird meine mächt'gen Töne überleben,
Die stolzer dich für Jahre sonder Zahl
Als rauher Stein im Zeitenschmutz erheben.
Wenn Kriegswut jedes Monument verheert
Und Aufruhr schlägt das Mauerwerk zusammen,
Bleibt dein lebend'ges Denkmal unversehrt
Vom Schwert des Mars und von der Zwietracht Flammen.
Durch Tod und feindliche Vergessenheit
Wandelst du siegreich! Deines Namens Klang
Hat eine Stätte noch in spätster Zeit
Bis zu der Menschheit großem Untergang;
Bis du erstehst an Gottes Urteilstage,
Lebst du im Lied und jeder Liebesklage!