Paul Gerhardt

Der 27. Psalm

Gott ist mein Licht, der Herr mein Heil,
Das ich erwählet habe;
Er ist die Kraft, dahin ich eil
Und meine Seele labe.
Was will ich mich doch fürchten nun?
Und wer kann mir doch Schaden tun
Auf dieser ganzen Erden?

Wann mich die böse Rott anfällt
Und mein Fleisch will verschlingen,
So kann sie dieser starke Held
Gar leicht zu Boden bringen.
Wann sich auch gleich ein ganzes Heer
Legt um mich her, was ists denn mehr?
Mein Gott kann sie bald schlagen.

Eins bitt ich nur, das hätt ich gern,
Wenn mirs Gott wollte geben,
Daß ich bei ihm, als meinem Herrn,
Stets wohnen sollt und leben
Und alle meine Tag und Jahr
In seinem Hause bei der Schar
Der Heiligen vollbringen.

Da wollt ich meine Herzensfreud
An seinen Diensten sehen
Und rühmen, wie zur bösen Zeit
Mir so viel Guts geschehen,
Da er mich fleißig hat verdeckt
In seiner Hütten und versteckt
In einem starken Felsen.

Und also wird er ferner noch
Mich wissen zu regieren;
Er wird mich schützen und sehr hoch
In sichre Örter führen;
Mein Haupt wird über meine Feind
Ob sie gleich hoch erhaben seind,
Allzeit erhöhet bleiben.

Dafür will ich denn wiederum
Gott auf das best erhöhen;
Sein Ruhm soll in dem Heiligtum
Aus meinem Munde gehen;
Ich will ihm opfern Dank und Preis,
Ich will sein Lob, so gut ich weiß,
Vor allem Volke singen.

Herr, mein Gott, höre, wie ich schrei
Und seufz in meinem Sinne;
Gib, daß mein Bitten kräftig sei
Und dein Herz eingewinne.
Mein Herz hält dir, o treuer Hort,
Beständig vor dein eigen Wort:
Ihr sollt mein Antlitz suchen.

Nun such ich jetzt, ach laß mich nicht
Entgelten meiner Sünden!
Ich suche, Herr, dein Angesicht,
Das laß mich gnädig finden.
Verstoße ja nicht deinen Knecht,
Denn du bists, der mir hilft zu recht
Und bringst aus allen Nöten.

Mein Vater, Mutter und was hier
Sonst ist von guten Leuten,
Das ist zu schwach und können mir
Nicht treten an die Seiten.
Ich bin entsetzt von aller Welt,
Gott aber nimmt mich in sein Zelt,
Da find ich alle Gnüge.

Herr, mache mir gerade Bahn,
Halt mich in deiner Gnade
Und nimm dich meiner herzlich an,
Daß mir kein Feind nicht schade;
Denn viel die reden wider mich
Und zeugen, das sie ewiglich
Nicht können überweisen.

Noch dennoch hab ich guten Mut
Und glaube, daß ich werde
Im Lebenslande Gottes Gut
Dort sehn und auf der Erde.
Frisch auf, getrost und unverzagt!
Wers nur mit Gott im Glauben wagt,
Der wird den Sieg erhalten.