Paul Gerhardt

Merkt auf, merkt, Himmel, Erde

Danklied Moses vor seinem Tode

Merkt auf, merkt, Himmel, Erde,
Und du, o Meeresgrund,
Was ich jetzt singen werde
Aus Gottes heilgem Mund!
Es fließe meine Lehre,
Wie Tau und Regen fleußt;
Wer Ohren hat, der höre
Des Höchsten Wort und Geist.

Es läßt der Herr euch weisen
Sein Ehr und Namenszier;
Die soll und will ich preisen,
Das tut auch ihr mit mir.
Er ist ein Gott der Götter,
Ein Tröster in der Not,
Ein Fels, ein einzger Retter
Und selbst des Todes Tod.

Sein Tun ist lauter Güte,
Sein Werk ist rein und klar,
Treu ist er am Gemüte,
Im Wort und Reden wahr;
Viel heilger als die Engel,
Die doch nur recht getan,
Frei aller Fehl und Mängel,
Fern von der Unrechtsbahn.

Er ist gerecht. Wir alle
Sind schändlich angesteckt
Mit Adams Sünd und Falle,
Der täglich in uns heckt
Viel böse schwere Taten,
Die unserm großen Gott,
Des kein Mensch kann entraten,
Geraten nur zum Spott.

Die ungeratnen Kinder,
Die fallen von ihm ab
Und werden freche Sünder,
Vergessen aller Gab
Und so viel tausend Güter
Und so viel süßer Gnad,
Die ihnen Gott, ihr Hüter,
So oft erwiesen hat.

Dankst du denn solchermaßen,
Du toll und töricht Volk,
Dem, der dir regnen lassen
Dein Manna aus der Wolk
Und aus des Himmels Kammer
Dir Speisen zugeschickt,
Damit in deinem Jammer
Dein Herze würd erquickt?

Woher hast du dein Leben
Und deines Leibes Bild?
Wer hat das Blut gegeben,
Das dir die Adern füllt?
Ists nicht dein Herr, dein Schöpfer,
Dein Vater und dein Licht,
Der dich, gleich als ein Töpfer,
Von Erde zugericht?

Gedenk und geh zurücke
In die vergangnen Jahr;
Erwäge, was für Glücke
Gott deiner Väter Schar
Erzeigt in schweren Zeiten!
Das ist den Alten kund,
Die werden dir andeuten
Den rechten wahren Grund.

Er stieß die wilden Heiden
Mit seiner starken Hand
Aus ihrer fetten Weiden
Und gab das schöne Land
Des Israels Geschlechte
Zu seines Namens Ruhm
Und Jakob, seinem Knechte,
Zum Erb und Eigentum.

Er fand ihn, wo es heulet,
In dürrer Wüstenei,
Er fand ihn und erteilet
Ihm alle Vatertreu;
Er lehret ihn, was tauge
Und er selbst Tugend heiß,
Er hielt ihn wie ein Auge
Und sparte keinen Fleiß.

Gleichwie ein Adler sitzet
Auf seiner zarten Brut
Und gar genau beschützet,
Was ihm am Herzen ruht;
Er dehnt die starken Flügel,
Wenn er sich hoch erschwingt
Und über Tal und Hügel
Sein edle Jungen bringt:

So hat sich auch gebreitet
Des Höchsten Lieb und Gnad
Auf Jakob, den er leitet,
Auf daß ihm ja kein Schad
Hier oder da anstieße;
Er hub, er trug mit Fleiß,
Bewahrt ihm Gang und Füße
Auf seiner ganzen Reis.

Er, sein Gott, tats alleine
Und sonst kein andrer Gott;
Es gaben Feld und Steine
Öl, Honig, Wasser, Brot
Ohn alle seine Mühe;
Er hatte guten Mut
Beim Fett der Schaf und Kühe
Und trank gut Traubenblut.

Da er nun wohl gegessen,
Vergaß er Gottes Heil,
Und da er des vergessen,
Da ward er frech und geil;
Da seine Not gestillet,
Beschimpft er Gottes Ehr,
Und da der Leib gefüllet,
Da ward das Herze leer.

Leer ward es an dem Guten,
Des Bösen ward es voll,
Ließ Götzenopfer bluten
Und dient, als wär er toll,
Den schändlichen Feldteufeln;
Und den, an dessen Macht
Die Teufel selbst nicht zweifeln,
Den ließ er aus der Acht.

Er ließ den ewgen Retter
Und gab sich in den Schirm
Der neuerdachten Götter,
Hielt Bestien und Gewürm
Und Bilder von Metallen,
Von Holz, von Stein und Ton,
Den Heiden zu gefallen,
Für seiner Seelen Kron.

Als das nun der erkannte,
Der Herz und Nieren kennt,
Da wuchs sein Zorn und brannte,
Gleichwie ein Feuer brennt;
Und die er vor so schöne
Geliebt an seinem Teil
Als Töchter und als Söhne,
Die wurden ihm ein Greul.

Ich will mich, sprach er, wenden
Von dieser schnöden Art,
Die so abscheulich schänden
Mich, der ich nichts gespart
An meiner Treu und Güte;
Ich habe recht geliebt,
Dafür wird mein Gemüte
Gekränket und betrübt.

Sie reizen mich mit Sünden:
Was gilts, es soll einmal
Sich wieder etwas finden
Zu ihrem Zorn und Qual!
Es werden Völker kommen,
Die blind sind als ein Stein;
Die sollen meine frommen
Und liebsten Kinder sein.

Mein Feuer ist entstanden
Und brennet lichterloh
In meines Volkes Landen,
Die sind ihm wie das Stroh.
Es wird weit um sich greifen
Bis zu der Höllen Grund
Und alle Frucht abstreifen,
Die auf der Erden stund.

Ich will mit meinen Pfeilen
Sie treiben in den Tod;
Es soll sie übereilen
Schwert, Pest und Hungersnot.
Ich will viel Tiere schicken
Und strenges Schlangengift,
Das soll zermartern, drücken
Und fressen, wen es trifft.

Ich will sie recht belohnen,
Mein Zorn soll gleich ergehn,
Auch derer nicht verschonen,
Die jung, gerad und schön;
Ich will sie all zerstäuben
Und fragen hier und dort:
Wo ist dann nun ihr Bleiben?
Welch ist ihr Sitz und Ort?

Doch muß ich gleichwohl scheuen
Den ungereimten Wahn
Der Feinde, die sich freuen,
Als hätten sies getan.
Sie bleiben wie die Narren
Bei ihrem Gaukelspiel
Und ziehn am Torheitskarren,
Ich tu auch, was ich will.

O, daß mein Volk verstünde
Das edle schöne Gut,
Das, wenns nun seine Sünde
Bereut und Buße tut,
Ihm nachmals wird begegnen!
Denn was ich jetzt geflucht,
Das will ich wieder segnen,
Sobald es Gnade sucht.

Mein Volk kommt aus dem Weinen,
Sein Feind kommt aus der Ruh,
Ihr tausend flieht vor einem,
Wie geht das immer zu?
Ihr Herr, ihr Fels und Leben,
Ist weg aus ihrem Zelt,
Er hat sie übergeben
Zur Flucht ins freie Feld.

Seid froh, ihr treuen Knechte
Des Gottes Israel,
Des Arm und starke Rechte
Euch schützt an Leib und Seel,
Habt fröhliches Vertrauen
Und Glauben, der da siegt:
So wird Gott wieder bauen,
Was jetzt darnieder liegt.

Er wird am Feinde rächen,
Was uns zuviel geschehn,
Uns wird er Trost zusprechen,
Uns wieder lassen sehn
Die Sonne seiner Gnaden:
Die wird in kurzer Zeit
Des Landes Klag und Schaden
Verkehrn in Glück und Freud.