Sophie Albrecht

Lied

Umschattet von der Mitternacht,
Im düstern Tannenhain -
Ist's bleiche Schwermuth die nur wacht,
Mit meinem Schmerz allein.

Sei leise, Lied, daß nicht erwacht,
Wen süßer Schlummer deckt;
Mir nur gehört die schwarze Nacht,
Die keinen Stern erweckt.

Denn fühlte jemand meinen Schmerz,
Der Lieb' in wunder Brust -
Verwahren würd' er schnell sein Herz
Vor jeder Liebeslust.

Er schien so fromm, er schien so gut -
Nur mir allein geweiht
Schwur er der Liebe heil'ge Gluth,
Für Zeit und Ewigkeit.

Da sang ich froh, da sang ich laut,
Das Lied von unsrer Gluth;
War stolz wie eines Engels Braut;
Denn er schien fromm und gut! -

Doch, ach! bald schwand sein frommer Sinn
Und Sünde ward sein Ziel;
Er schleuderte für Wallung hin
Des Herzens Hochgefühl.

Kalt blieb bei meinem keuschen Kuß,
Er, der so rein geliebt;
Besang der Wollust Vollgenuß,
Den nur das Laster giebt.

Schwur heiß, daß der nur Liebe sei,
Und mein Gefühl nur Tand;
Schwur sich von meinem Herzen frei,
Bei dem, der uns verband.

Da riß ich mich von seiner Hand,
Schied ab von Lieb' und Schmerz;
Doch, Gott! mit unsrer Seelen-Band,
Zerriß ich auch mein Herz.

Und alle Freuden der Natur
Hab' ich nun überlebt -
Denn alle – alle waren nur
In dieses Band verwebt.