Gustav Falke

In tiefer Scham

Ich weinte auf mein Brot und würgte dran
Und konnt's nicht würgen und stand auf vom Mahl
Und ging hinaus ins kalte, kahle Feld
Und bot dem Märzwind meine heiße Qual.

An einem Dornbusch hing ein Fetzen Tuch.
Wer warf es weg, wen wärmte es zuletzt?
Vielleicht wie er bin ich ein Bettler nun,
Und was so warm mich hielt, ist ganz zerfetzt.

Wenn du dein Herz in deine Hände nimmst
Und giebst es hin, da, nimm's, und ohn Entgelt,
Man nimmt es, dankt und wirft dir's plötzlich hin:
Ich mag's nicht mehr! dann stirbt dir eine Welt.

Dann stehst du da, entblößt und bettelarm
Und weißt nicht hin vor Scham, vor nackter Scham.