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Das Gedicht „Wer niemals einen Rausch gehabt“ stammt aus der Feder von Joachim Perinet.

Wer niemals einen Rausch gehabt
der ist kein braver Mann
wer seinen Durst mit Achteln labt
fang lieber gar nicht an.
Da dreht sich alles um und um
in unserm Capitolium.

Doch zu viel trinken ist nicht gut
drei Quart sind eben recht
da steht auf einem Ohr der Hut
ist nur der Wein auch echt
Trinkt unsereiner zuviel Wein
so findt er nicht ins Haus hinein.

Ich trank heut nicht im Überfluß
ich steh noch immer grad´
wenn man nach Hause taumeln muß
ist´s um den Wein nur schad´
Das ist ein Weinchen wie ein Rack
hübsch grad, hübsch grad und nicht zickzack.

Wenn rein wie Gold das rebenblut
ins unsern Gläsern blinkt
sich jeder Zecher wohlgemut
ein kleines Räuschen trinkt
Dann scheint die Welt in ihrer Pracht
für munt´re Trinker nur gemacht.

Ein jeder Trinker lebe hoch
der bei dem vollen Glas
schon oft der Arbeit hartes Joch
des Lebens Müh vergaß
Wer dich verschmäht du edler Wein
der ist nicht wert, ein Mensch zu sein.

Drum trink ich, weil ich trinken kann
und mir das Weinchen schmeckt
so lange, bis der Sensenmann
ins kühle Grab mich streckt
Und endet sich mein Lebenslauf
so hört von selbst das Trinken auf
(dann hört mit mir der Durst auch auf)

Joachim Perinet

Aus dem erstmals in Wien aufgeführten Singspiel "Das neue Sonntagskind" (1794) mit Musik von Wenzel Müller und Texten von Joachim Perinet. Aus dem Werk: "Als der Großvater die Großmutter nahm. Lieder für altmodische Leute." (1887) Hrsg. von Gustav Wustmann. Kategorie: Trinklied

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