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Das Gedicht „An Chloen“ stammt aus der Feder von Johann Georg Jacobi.

Die ersten Lerchen sangen

Die ersten Lerchen sangen:
Da küßt' ich deine Wangen,
Und fragte: Liebst du mich?
Die ersten Zephyrs wehten:
Da sagte dein Erröten:
Ich liebe dich!

Da warst du ganz die meine;
Da rauschten es die Haine;
Die Bäche priesen mich,
Und murmelten vertrauter;
Die Lerchen sangen lauter:
Ich liebe dich!


Und Epheuranken hingen
An jedem Baum, und fingen,
In süßer Irre, sich
Vor Wollust an zu regen;
Sie bebten mir entgegen:
Ich liebe dich!

Gepaarte Blumen standen
Im grünen Tal, empfanden,
Und küßten schwesterlich
Sich meiner Chloe wegen;
Sie hauchten mir entgegen:
Ich liebe dich!

Vereinte Wölkchen mahlten
Den Himmel; sie umstrahlten
Im Abendglanze sich,
Der nie so schön gewesen;
Am Himmel war zu lesen:
Ich liebe dich!


Als nach und nach die Farben
In Dämmerung erstarben,
Die letzte Sonne wich;
O wie so lachend blinkten
Die Sterne noch, und winkten:
Ich liebe dich!

Chloe! kennst du noch die Stunde

Chloe! kennst du noch die Stunde,
Die zu schnell vorüber ging,
Als ich fest an deinem Munde,
Fest an deinem Herzen hing?

O, der Liebe Schauder bebte,
Mächtig mir durch jeden Sinn:
Chloe! meine Seele schwebte
Küssend zu der deinen hin.

Eines ganzen Lebens Freuden;
Sonnen- Auf- und Untergang;
Blumenduft und Grün der Weiden;
Zephyr, Nachtigall-Gesang;

Junger Haine froh Getümmel;
Jeder selige Genuß;
Ruhm und Glück und Erd' und Himmel,
Alles war in diesem Kuß.

Wenn die Götter in's Gebüsch

Wenn die Götter in's Gebüsch
Noch zu Hirten kämen,
Noch vorlieb am kleinen Tisch
Unter ihnen nähmen;

O, sie würden, glaube mir!
Bald hernieder steigen,
Würden sich an deiner Tür,
Liebe Chloe! zeigen.

Auch als Pilger, unbekannt,
Wie sie dir erschienen,
Würdest du mit frommer Hand
Willig sie bedienen.

Und du fühltest innerlich
Heiliges Entzücken;
Aber sie durchschauten dich
Mit den Götter-Blicken;

Forschten in dein Herz hinein,
Prüften alle Triebe;
Fänden deine Seele rein,
Sähen lauter Liebe;

Gönnten eine Bitte dir;
Und ich weiß die Bitte:
Still vereinigt wohnten wir
Dann in armer Hütte!

Das letzte Rot am Himmel wich

Das letzte Rot am Himmel wich:
Da ging ich, liebevoll, im Grünen;
Ich ging und lobte Gott für dich,
Und für die Sternen, welche schienen.

Und plötzlich kam ein Wolken-Heer,
Und riß hinweg die goldnen Sterne;
Gelinde Lüfte wurden schwer,
Und Donner rollten aus der Ferne.

Die Stürme heulten auf mich zu;
Die Donner wollten mich erschrecken;
Ich aber ließ, in frommer Ruh,
Mich einen Lorbeerbaum bedecken.

Da saß ich in der tiefen Nacht,
Und lobte, durch die Finsternisse,
Den Gott, der jenen Blitz gemacht,
Und dieses Herz, und deine Küsse.

Johann Georg Jacobi

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