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Das Gedicht „Die Lindenwirtin“ stammt aus der Feder von Rudolf Baumbach.

Keinen Tropfen im Becher mehr
Und der Beutel schlaff und leer,
Lechzend Herz und Zunge.
Angetan hat's mir dein Wein,
Deiner Äuglein heller Schein,
Lindenwirtin, du junge!

»Angekreidet wird hier nicht,
Weil's an Kreide uns gebricht,«
Lacht die Wirtin heiter.
»Hast du keinen Heller mehr,
Gib zum Pfand dein Ränzel her,
Aber trinke weiter!«

Tauscht der Bursch sein Ränzel ein
Gegen einen Krug voll Wein,
Tät zum Gehn sich wenden.
Spricht die Wirtin: »Junges Blut,
Hast ja Mantel, Stab und Hut;
Trink' und laß dich pfänden!«

Da vertrank der Wanderknab
Mantel, Hut und Wanderstab,
Sprach betrübt: »Ich scheide.
Fahre wohl, du kühler Trank,
Lindenwirtin jung und schlank,
Liebliche Augen weide!«

Spricht zu ihm das schöne Weib:
»Hast ja noch ein Herz im Leib,
Laß mir's trauter Wandrer!«
Was geschah, ich tu's euch kund:
Auf der Wirtin rotem Mund
Brannte heiß ein andrer.

Der dies neue Lied erdacht,
Sang's in einer Sommernacht
Lustig in die Winde.
Vor ihm stund ein volles Glas,
Neben ihm Frau Wirtin saß
Unter der blühenden Linde.

Rudolf Baumbach

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