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Das Gedicht „Pontii Pilati Händewaschen“ stammt aus der Feder von Wilhelm Müller.

O bringet doch Weihwasser her! Vom besten muß es sein;
Holt es aus Rom! Das römische, das wäscht ja Alles rein.
Pilatus, wasche deine Hand und wasche deinen Mund!
Die Hand, sie ist von Tinte schwarz, der Mund vom Gifte wund.
Nun wasch' und sprich: Ich habe nicht gestochen und gehaun,
An meinen beiden Händen ist kein Tropfen Blut zu schaun;
Nur Tint' und Geifer klebt mir an, damit hab' ich befleckt
Was heilig, hoch, rein, stark und frei, was Männerseelen weckt
 

Zu Wort und Tat, zu Kampf und Sieg, aus Kerkerschlaf und Tod,
Was aus des Grabes Nächten ruft des Lebens Morgenrot.
Damit hab' ich gepriesen auch, bejubelt und belacht,
Was wohl aus Heidenaugen selbst die Tränen fließen macht,
Was jedes Christenherz zerdrückt, zerbrennet und zerreißt,
Was zarte Lämmer brüllen lehrt und Löwen wimmern heißt.
O bringet doch Weihwasser her! Vom besten muß es sein.
Hab' nicht gestochen und gehaun – Weihwasser wäscht mich rein.

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