Friedrich von Hagedorn

Elpin

Weil nach des Schicksals bestem Schluß
Die junge Welt sich lieben muß,
So ward Elpin verliebt.
Auch er fand, daß es artig sei,
Wenn man, bei süßer Schmeichelei,
Den Schönen Küsse gibt.

Noch hatt' er nur um Pfand geküßt;
Was feuerreich im Küssen ist
War ihm nur halb bewußt:
Doch wann er bei der Chloe stund,
Ward er bald roth wie Chloens Mund,
Bald weiß wie ihre Brust.

Er untersucht sich tausendmal
Und spüret Lust und spüret Qual,
So oft er sich befragt.
Einst, als er seufzt und ihr sich naht,
Wird ihm der Kuß, um den er bat,
Und auch die Hand versagt.

Er flieht und eilet in den Wald
Und klagt, in trauriger Gestalt,
Den Eichen, was ihn drückt.
O wüßt' er, was ihr Herz gewinnt!
Doch alles, was sein Witz ersinnt,
Wird durch die Furcht erstickt.

Nach langen Klagen schläft er ein;
Die Liebe will ihm günstig sein,
Der er die Träume weiht.
Mit ihren Flügeln weckt sie ihn
Und spricht: Ich wünsche dir, Elpin,
Nur List und Wachsamkeit.