Wilhelm Müller

A bis M des Trinkers

Also, Brüder, laßt uns trinken,
Weil noch volle Becher blinken!
So beginnt mein ABC.
Vorwärts, rückwärts, auf und nieder,
Klingt's durch alle Lettern wieder,
Wein! spricht selbst das böse W.

In dem X bei der Xantippe
Steht geschrieben: Nippe, Nippe,
Wenn dich plagt ein arges Weib!
Und das Ypsilon, der Igel,
Ist ein Wassertrinkerspiegel:
Wie ihr Sinn, so ist sein Leib.

Also, Brüder, laßt uns trinken,
Weil noch volle Becher winken,
Trinken nach dem ABC!
Aßmannshäuser soll beginnen,
Dann Burgunderblut uns rinnen,
Der Champagner führt zum C.

Drymadera noch ein Gläschen!
Elfer aus dem Mutterfäßchen!
Und im F fleht: Falle nicht!
Geh' nach Haus! Was soll das heißen?
Solcher Wein wächst nur bei Meißen.
Halt dich! heißt's, wenn H erst spricht.

In dem H ist Höll' und Himmel.
Zu der Seligen Gewimmel
Schwingt der Eine sich empor,
Und der Andre stürzt hinunter
Und wird in der Hölle munter,
Wenn ihn Einer zupft am Ohr.

Iß und trink'! und Immer wieder!
Also klingt durch meine Lieder
I, als mächtiger Vocal,
Und der Consonant daneben
Kann Johannisberger geben,
I, i, i, ich kost' einmal!

In dem K stehn manche Klänge,
Die nicht überall sind gänge
Und zum Reimen auch zu schwer.
Lieben und geliebet werden
Ist mein liebstes L auf Erden,
Und mein ärgstes steht im Leer.

M sagt viel von Maß und Mitte,
Und der Mittelstraßensitte
Fügt sich auch mein Saitenspiel.
Mitten auf der Lettern Straße
Macht es Halt mit gutem Maße,
Eh' Herr N ruft: Nicht zu viel!