Wilhelm Müller

Altitalienisches Volkslied

O Tod, du mitleidloser,
Was that ich dir zu Leide?
Tu raubtest mir mein Mädchen,
Sie, alle meine Freude!
Bei Nacht und auch bei Tage,
Beim rothen Morgenscheine,
Noch nie hab' ich ein Mädchen
Gesehn von solchem Preise
Wie meine Katharina,
Sie, alle meine Freude!
Sie hielt mir meinen Bügel,
Wollt' ich zu Rosse steigen,
Sie schnallte mir die Sporen,
Sie that das Schwert mir reichen,
Sie setzte mir den Helm auf.
Ich sprach von Lieb' und Leiden:
»Leb' wohl, mein holdes Mädchen!
Nach Avignon ich reite,
Von Avignon nach Franken,
Mir Ehren zu erstreiten;
Und wenn ich Lanzen breche,
Ist's nur für deine Liebe;
Und wenn ich fall' im Kampfe,
Fall' ich zu deinem Preise.
Dann sprechen alle Frauen:
Da liegt er, den wir meinen.
Dann sprechen alle Mädchen:
Für uns fiel er im Streite.
Dann sprechen alle Witwen:
Wie ehren wir die Leiche?
Wo soll'n wir ihn begraben?
Im Dom zu Sankt-Mareien.
Womit soll'n wir ihn decken?
Mit Rosen und mit Veilchen.«