Unbekannter Dichter

Wenn ich ein Vöglein war

Wenn ich ein Vöglein war,
Und auch zwei Flügel hätt
Flog ich zu dir.
Weils aber nicht kann sein,
Bleib ich allhier.

Bin ich gleich weit von dir,
Bin ich doch im Traum bei dir
Und red mit dir;
Wenn ich erwachen tu,
Bin ich allein.

Es vergeht kein Stund in der Nacht,
Da nicht mein Herz erwacht
Und an dich denkt,
Daß du mir vieltausendmal,
Dein Herz geschenkt.

O Liebe, kehre meinem Herzen,
Das so verwaist zu brechen droht!
Kehr ihm mit allen deinen Schmerzen,
All deiner Qual, all deiner Not!

Nach deinen heißen Tränengüssen
Sehnt mein zu trocknes Auge sich.
Denn besser ists, die Ruhe missen,
Als Ruhe fühlen ohne dich.