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Das Gedicht „An Giseke“ stammt aus der Feder von Friedrich Gottlieb Klopstock.

Geh! ich reiße mich los, obgleich die männliche Tugend
Nicht die Träne verbeut,
Geh! ich weine nicht, Freund. Ich müsste mein Leben durchweinen,
Weint’ ich dir, Giseke, nach!
Denn so werden sie alle dahin gehn, jeder den andern
Trauernd verlassen, und fliehn.
Also trennet der Tod gewählte Gatten! der Mann kam
Seufzend im Ozean um,
Sie am Gestad, wo von Totengeripp, und Scheiter, und Meersand
Stürme das Grab ihr erhöhn.

So liegt Miltons Gebein von Homers Gebeine gesondert,
Und der Zypresse verweht
Ihre Klag’ an dem Grabe des Einen, und kommt nicht hinüber
Nach des Anderen Gruft.
So schrieb unser aller Verhängnis auf eherne Tafeln
Der im Himmel, und schwieg.
Was der Hocherhabene schrieb, verehr’ ich in Staube,
Weine gen Himmel nicht auf.

Geh, mein Teurer! Es letzen vielleicht sich unsere Freunde
Auch ohne Tränen mit dir;
Wenn nicht Tränen die Seele vergießt, unweinbar dem Fremdling
Sanftes edles Gefühls.
Eile zu Hagedorn hin, und hast du genung ihn umarmet,
Ist die erste Begier,
Euch zu sehen, gestillt, sind alle Tränen der Freude
Weggelächelt entflohn,
Giseke, sag’ ihm alsdann, nach drei genossenen Tagen,
Dass ich ihn liebe, wie du!

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Anmerkung: Nikolaus Dietrich Giseke (1724 - 1765) war ein deutscher Schriftsteller und enger Freund von Klopstock.