Johann Wilhelm Ludwig Gleim

Gottes Güte

Für wen schuf deine Güte,
Herr, diese Welt so schön?
Für wen ist Blum und Blüte
In Tälern und auf Höhn?
Für wen ist hohe Wonne
Da, wo das Saatfeld wallt?
Für wen bescheint die Sonne
Die Wiesen und den Wald?

Für wen tönt das Getümmel
Der Herden auf der Au?
Für wen wölbt sich der Himmel
So heiter und so blau?
Für wen sind Tal und Gründe
So lieblich anzusehn?
Für wen gehn kühle Winde,
Für wen ist alles schön?

Uns gabst du ein Vermögen,
Die Schönheit einzusehn,
Uns Menschen, deinen Segen
Zu fühlen, zu verstehn;
Uns sollte all die Wonne
Ein Ruf der Liebe sein,
Mit jeder Morgensonne
Dir unser Herz zu weihn!

Nun sieh, o Gott, wir weihen
Ein Herz voll Dankbarkeit
Dir, der uns liebt, und freuen
Uns deiner Gütigkeit!
Du hauchtest nicht vergebens
Ein fühlend Herz uns ein:
Ein Vorhof jenes Lebens
Soll uns die Erde sein.