Paul Gerhardt

Ich hab in Gottes Herz und Sinn mein Herz und Sinn ergeben

Ich hab in Gottes Herz und Sinn
Mein Herz und Sinn ergeben:
Was böse scheint, ist mir Gewinn,
Der Tod selbst ist mein Leben.
Ich bin ein Sohn
Des, der den Thron
Des Himmels aufgezogen;
Ob er gleich schlägt
Und Kreuz auflegt,
Bleibt doch sein Herz gewogen.

Das kann mir fehlen nimmermehr,
Mein Vater muß mich lieben!
Wenn er mich auch gleich wirft ins Meer,
So will er mich nur üben
Und mein Gemüt
In seiner Güt
Gewöhnen fest zu stehen;
Halt ich den Stand,
Weiß seine Hand
Mich wieder zu erhöhen.


Ich bin ja von mir selber nicht
Entsprungen noch formieret,
Mein Gott ists, der mich zugericht't,
An Leib und Seel gezieret,
Der Seelen Sitz
Mit Sinn und Witz,
Den Leib mit Fleisch und Beinen:
Wer so viel tut,
Des Herz und Mut
Kanns nimmer böse meinen.

Woher wollt ich mein Aufenthalt
Auf dieser Erd erlangen?
Ich wäre längsten tot und kalt,
Wo mich nicht Gott umfangen
Mit seinem Arm,
Der alles warm,
Gesund und fröhlich machet;
Was er nicht hält,
Das bricht und fällt,
Was er erfreut, das lachet.

Zudem ist Weisheit und Verstand
Bei ihm ohn alle Maßen,
Zeit, Ort und Stund ist ihm bekannt,
Zu tun und auch zu lassen.
Er weiß, wenn Freud,
Er weiß, wenn Leid
Uns, seinen Kindern, diene;
Und was er tut,
Ist alles gut,
Obs noch so traurig schiene.

Du denkest zwar, wenn du nicht hast,
Was Fleisch und Blut begehret,
Als sei mit einer großen Last
Dein Glück und Heil beschweret,
Hast spät und früh
Viel Sorg und Müh,
An deinen Wunsch zu kommen,
Und denkest nicht,
Daß, was geschicht,
Gescheh zu deinem Frommen.

Fürwahr, der dich geschaffen hat
Und sich zur Ehr erbauet,
Der hat schon längst in seinem Rat
Ersehen und beschauet
Aus wahrer Treu,
Was dienlich sei
Dir und den Deinen alle;
Laß ihm doch zu,
Daß er nur tu
Das, was ihm wohlgefalle.

Wanns Gott gefällt, so kanns nicht sein,
Er wird dich letzt erfreuen:
Was du jetzt nennest Kreuz und Pein,
Wird dir zum Trost gedeihen.
Wart in Geduld:
Die Gnad und Huld
Wird sich doch endlich finden;
All Angst und Qual
Wird auf einmal
Gleichwie ein Dampf verschwinden.

Das Feld kann ohne Ungestüm
Gar keine Früchte tragen:
So fällt auch Menschenwohlfahrt üm
Bei lauter guten Tagen.
Die Aloe
Bringt bittres Weh,
Macht gleichwohl rote Wangen:
So muß ein Herz
Durch Angst und Schmerz
Zu seinem Heil gelangen.

Ei nun, mein Gott, so fall ich dir
Getrost in deine Hände;
Nimm mich und mach es du mit mir
Bis an mein letztes Ende
Wie du wohl weißt,
Daß meinem Geist
Dadurch sein Nutz entstehe
Und deine Ehr
Je mehr und mehr
Sich in ihr selbst erhöhe.

Willst du mir geben Sonnenschein,
So nehm ichs an mit Freuden,
Solls aber Kreuz und Unglück sein,
Will ichs geduldig leiden.
Soll mir allhier
Des Lebens Tür
Noch ferner offen stehen:
Wie du mich führst
Und führen wirst,
So will ich gern mitgehen.

Soll ich denn auch des Todes Weg
Und finstre Straßen reisen:
Wohlan, so tret ich Bahn und Steg,
Den mir dein Augen weisen.
Du bist mein Hirt,
Der alles wird
Zu solchem Ende kehren,
Daß ich einmal
In deinem Saal
Dich ewig möge ehren.