Karl Theodor Körner

Poesie und Liebe

Der Sänger rührt der Leier goldne Saiten,
   Und in der Seele ist das Lied erwacht;
   Es strahlt durch das gewalt'ge Reich der Nacht
   Ein göttlich Licht zum Ohre aller Zeiten.

Ein Wesen nur vermag den Klang zu deuten;
   Es naht sich still in süßer Himmelspracht,
   Und wie vom Götterhauche angefacht,
   Erglüht das Lied, die Wolken zu durchschreiten.

Da wogt ein üpp'ges Meer von Harmonieen;
   Es schwebt das trunkne Lied im Strahlenflore
   Durch Lichtgefilde einer ew'gen Klarheit.

Wo Lieb' und Dichtkunst ineinander glühen,
   Da öffnen sich des Himmels Rosentore,
   Und aufwärts fliegt das Herz zur heil'gen Wahrheit.