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Die besten Gedichte von Alfred Lichtenstein (1889 - 1914) - einem deutschen Lyriker (Epoche des Expressionismus).

Inhalt

Berühmte Gedichte

Bekannte Gedichte

Kurze Gedichte

Doch kommt ein Krieg. Zu lange war schon Frieden.
Dann ist der Spaß vorbei. Trompeten kreischen
Dir tief ins Herz. Und alle Nächte brennen.
Du frierst in Zeiten. Dir ist heiß. Du hungerst.
Ertrinkst. Zerknallst. Verblutest. Äcker röcheln.
Kirchtürme stürzen. Fernen sind in Flammen.
Die Winde zucken. Große Städte krachen.
Am Horizont steht der Kanonendonner.
Rings aus den Hügeln steigt ein weißer Dampf.
Und dir zu Häupten platzen die Granaten.

An Frida

Zwischen uns sind Wände Trennung.
Spinn-Netze Sonderbares.
Doch oft fliege ich schmal in meiner sinkenden,
Händeringenden Stube, ein blutender Piepmatz.
Wärst du da.
Ich bin so ermordet.
Frida.

Die Plagiatoren

Ein jeder ist ein Teil vom Schicksal andrer,
Die vor ihm waren und die um ihn gehen,
Die auch nur einmal, eilge Weiterwandrer,
Den Weg ihm kreuzend, flüchtig bei ihm stehen.
Sie kommen, kommen ohne Zweck und Sinn,
Entfernen sich mit leichtem Wandrerschritt.
Sie bringen alle etwas zu ihm hin.
Sie nehmen alle etwas von ihm mit.

Steckbrief

Alfred Lichtenstein (* 23. August 1889 in Wilmersdorf) war das älteste von 4 Kindern des jüdischen Textilfabrikanten David Lichtenstein und Franziska Lichtenstein, geborene Merzbach. Nach seinem Abitur 1909 studierte er Jura in Berlin und später an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen-Nürnberg.

Im Jahr 1910 begann er, Gedichte zu veröffentlichen, zunächst in "Der Sturm" und später in "Die Aktion", wo er im Januar 1914 mit dem Gedicht Punkt berühmt wurde. 1913 veröffentlichte er den Sammelband "Die Dämmerung" mit dem Gedicht Die Stadt; im selben Jahr promovierte er in Erlangen zum Doktor der Rechtswissenschaften.

Im Oktober 1913 meldete er sich für ein Jahr freiwillig zum zweiten bayerischen Infanterieregiment, das in München stationiert war. Er nahm am Ersten Weltkrieg teil, als dieser im August 1914 begann. In seinen Gedichten drückte er tiefe Verzweiflung über die Kriegserfahrungen und seine Vorahnung des Todes aus. In seiner letzten Komposition schrieb er: Vielleicht bin ich in 13 Tagen tot.

Alfred Lichtenstein schrieb ausgesprochen groteske Gedichte und Prosa. Er bewunderte den Stil des französischen symbolistischen Dichters Alfred Jarry, u.a. wegen seiner ironischen Schriften. In seiner Prosa macht er sich über einige seiner Bekannten und auch über sich selbst im Stil von Alfred Jarry lustig. Er schuf Fantasiegestalten, die sich an seinen Freunden bzw. Vorbildern wie Georg Heym, Gottfried Benn und Jakob van Hoddis orientierte. In Gestalt der Figur Kuno Kohn, die ihn selbst darstellen soll, sagte er:

"Der einzige Trost ist: traurig sein. Wenn die Traurigkeit in Verzweiflung ausartet, soll man grotesk werden. Man soll spaßeshalber weiter leben. Soll versuchen, in der Erkenntnis, dass das Dasein aus lauter brutalen, hundsgemeinen Scherzen besteht, Erhebung zu finden."

Lichtenstein starb am 25. September 1914 an der Westfront. Er wurde auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Vermandovillers (Somme) beigesetzt.

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