Michelangelo Buonarotti

An Tommaso Cavalieri

Übersetzt von Sophie Hasenclever.

Was ich in deinem Antlitz sah, beschreibe
Mit Worten nimmer ich; doch was es kündet
Hob oft den Geist, den noch der Körper bindet,
Zu Gott empor aus diesem Erdenleibe.

Dien' ich dem Spott des Pöbels auch zur Scheibe,
Zeiht er der Regung mich, die er empfindet,
So hoff' ich doch, dass Treue fest gegründet,
Dass keusche Glut so wert wie einst dir bleibe!

Die ird'sche Schönheit, für den Blick des Weisen
Gleicht sie dem Liebesquell, dem wir entstammen;
Vom Himmel hat die Welt nicht andre Proben,

Nicht andre Früchte kann die Erde weisen;
Sind treu und keusch nur meiner Liebe Flammen,
Ist süss der Tod und frei mein Flug nach oben.