Johann Karl Wilhelm Geisheim

Maske

Ei, wie war im Maskensaal’
Alles reich und prächtig;
Mich ergriff’s beim Lampenstrahl
Hehr und zaubermächtig.
Wie in eine Geisterwelt
Wähnt’ ich plötzlich mich gestellt,
Und doch war’s nur Maske.

Hier in diesem Glanz und Schmuck,
Himmel voller Geigen,
Muß das Klagelied vom Druck
Böser Zeiten schweigen.
Aber aus dem Maskenchor
Bläst ein Dämon mir ins Ohr:
’s ist ja doch nur Maske.

Sündlich ist es, Mancher meint,
Für so eitle Freuden,
Die man später oft beweint,
Summen zu vergeuden.
Lieber doch im frommen Sinn
Geb’ ich’s für die Armen hin;
Und doch ist’s nur Maske.

Mancher hat auch gar nicht Zeit
Zu so losen Dingen;
Muß in ew’ger Thätigkeit
Seine Zeit vollbringen.
Ach, was hat der Mann zu thun,
Kaum zur Nachtzeit kann er ruhn;
Und doch ist’s nur Maske.

Einer spricht: Ohn’ meine Frau
Hab’ ich kein Vergnügen,
Kann mir solche Menschenschau
Nimmermehr genügen.
Ihr zu leben, ist mir Pflicht;
Meine Frau liebt so was nicht;
Und doch ist’s nur Maske.

Also machet gern die Welt
Mit gefühl Parade;
Wo und wenn es ihr gefällt,
Spielt sie Maskerade;
Brauchst drum, willst du Masken sehn,
Nicht zum Maskenball zu gehn,
’s ist ja Alles Maske.