Ferdinand Avenarius

Im Nebel

Zwischen den Felsen
An tausend Stellen
Nebelquellen:
Daraus fließt es über den Waldgrund her
Mit einem trägen,
Zähen Bewegen.
Aber nun ist alles ein Meer
Mit Inseln darin
Weißgrau im Rund –
Und der Mond, glaube mir: der Mond
Ist damit im Bund!

Hält Schau über seine Heere –
Im Meere
Schwimmen sie heran, kriechen entlang
Alle in faulem, schweren Gang:
Auf den Inseln, aus den Höhlen
Ungeschlachte
Drachen. Sachte,
Fürchterlich fette Schlangen.
Riesenvögel mit schreckhaft langen
Beinen wie Stangen.

Zwischen den Palmen
Und Schachtelhalmen
Drohn sie sich mit Beißen, Stoßen Kratzen
Ungeheurer Mäuler und Tatzen.
Aber alles nur langsam,
Wie im Schlaf,
Und ohne dass eins
Das andere traf.
Sind ja alle schon lange tot,
Urlange tot.
Müssen nur spuken zur Nebelnacht.
Weil das dem Monde,
Dem schlimmen Zauberer,
Dem alten Gauner da oben
Vergnügen macht.