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Die besten Gedichte von Friedrich Rückert (1788 - 1866) - einem deutschen Dichter (Epoche der Klassik und des Biedermeiers), Sprachgelehrten sowie einem der Begründer der deutschen Orientalistik.

Bekannte Gedichte

Kurze Gedichte

Die Rose stand im Tau,
es waren Perlen grau,
als Sonne sie beschienen,
wurden sie zu Rubinen.

 

Das sind die Weisen, die durch Irrtum zur Wahrheit reisen.
Die bei dem Irrtum verharren, das sind die Narren.

 

Füge dich der Zeit, erfülle deinen Platz,
Und räum' ihn auch getrost, es fehlt nicht an Ersatz.

 

Über Sein und Nichtsein sei
Kummerlos und sorgenfrei;
Denn von jedem Sein, wie hoch,
ist Nichtsein das Ende doch.

 

Dein wahrer Freund ist nicht, wer dir den Spiegel hält
der Schmeichelei, worin dein Bild dir selbst gefällt.
Dein wahrer Freund ist, wer dich sehn lässt deine Flecken
und sie dir tilgen hilft, eh' Feinde sie entdecken.

 

Du bist die Rose meiner Liebe,
Die Ros’ auf meines Herzens Flur
Es waren andre Blumentriebe
Vorahnung meiner Rose nur.
Es kam der Flor, dass er zerstiebe,
Verschwinden musste jede Spur,
Dass Raum für meine Rose bliebe,
Die mir zu bleiben ewig schwur.

 

Nie stille steht die Zeit, der Augenblick entschwebt,
Und den du nicht benutzt, den hast du nicht gelebt.
Und du auch stehst nie still, der gleiche bist du nimmer,
Und wer nicht besser wird, ist schon geworden schlimmer.
Wer einen Tag der Welt nicht nutzt, hat ihr geschadet,
Weil er versäumt, wozu ihn Gott mit Kraft begnadet.

 

Die Stern ob mir, sie gehn am Himmel heiter hin;
Stell um mein Lager, Herr! Die lichten Streiter hin!
Und soll ich auf dem harten Stein wie Jakob ruhn,
So stell in meinen Traum auch Jakobs Leiter hin.

 

Über alle Gräber wächst zuletzt das Gras,
Alle Wunden heilt die Zeit, ein Trost ist das,
Wohl der schlechteste, den man dir kann erteilen;
Armes Herz, du willst nicht, dass die Wunden heilen.
Etwas hast du noch, solang es schmerzlich brennt;
Das Verschmerzte nur ist tot und abgetrennt.

Weitere kurze Gedichte

Leben & Werk

Friedrich Johann Michael Rückert Rückert wurde in Schweinfurt geboren und war der älteste Sohn eines Juristen. Er besuchte das örtliche Gymnasium und studierte an den Universitäten Würzburg und Heidelberg. Von 1816-1817 arbeitete er in der Redaktion des Morgenblatts in Stuttgart. Fast das ganze Jahr 1818 verbrachte er in Rom, danach lebte er mehrere Jahre in Coburg (1820-1826). Dort heiratete Rückert 1821 Luise Wiethaus-Fischer.:113 1826 wurde er als Professor für orientalische Sprachen an die Universität Erlangen berufen, 1841 folgte er einem Ruf auf eine ähnliche Stelle nach Berlin, wo er auch zum Geheimrat ernannt wurde. Im Jahr 1849 legte er seine Professur in Berlin nieder und lebte hauptberuflich auf seinem Gut in Neuses (heute ein Stadtteil von Coburg).

Als Rückert seine literarische Laufbahn begann, befand sich Deutschland in einem Kampf auf Leben und Tod mit Napoleon; und in seinem ersten Band, Deutsche Gedichte, der 1814 unter dem Pseudonym Freimund Raimar erschien, gab er, besonders in den kraftvollen Geharnischten Sonetten, der vorherrschenden Stimmung seiner Landsleute kraftvollen Ausdruck. In den Jahren 1815 bis 1818 erschienen Napoleon, eine politische Komödie in drei Stücken, von denen nur zwei Teile veröffentlicht wurden, und 1817 Der Kranz der Zeit.

1822 gab er die Gedichtsammlung Östliche Rosen heraus, und von 1834 bis 1838 erschienen seine Gesammelten Gedichte in sechs Bänden, eine Auswahl, die durch viele Auflagen gegangen ist.

Rückert beherrschte 30 Sprachen und machte sich vor allem als Übersetzer orientalischer Poesie und als Verfasser von Gedichten, die im Geiste orientalischer Meister entstanden, einen Namen. Große Aufmerksamkeit erregten seine Übersetzungen der Maqamat des Al-Hariri von Basra (Hariris Makamen) 1826, Nal und Damajanti, eine indische Sage, 1828, Rostem und Suhrab, eine Heldengeschichte 1830 und Hamasa, oder die ältesten arabischen Volkslieder 1846.

Zu seinen Originalschriften, die sich mit orientalischen Themen beschäftigen, gehören:

Das umfangreichste seiner Werke ist Die Weisheit des Brahmanen, erschienen in sechs Bänden von 1836 bis 1839. Ersteres und der Liebesfrühling (1844), ein Zyklus von Liebesliedern, sind die bekanntesten von Rückerts Werken.

Von 1843 bis 1845 erschienen die Dramen Saul und David (1843), Herodes der Große (1844), Kaiser Heinrich IV. (1845) und Christofero Colombo (1845), die allesamt als weit unterlegen gegenüber dem Werk gelten, dem er seinen Platz in der deutschen Literatur verdankt. Zur Zeit des dänischen Krieges schrieb er 1864 Ein Dutzend Kampflieder für Schleswig-Holstein, das, obwohl anonym veröffentlicht, großen Eindruck auf das Publikum machte.

Rückert starb 1866 in Neuses, heute ein Stadtteil von Coburg. Er ist auf dem dortigen Friedhof begraben.

Er übt weiterhin einen starken Einfluss auf die Orientalistik in Deutschland aus (vgl. Annemarie Schimmel).

Rückerts Lyrik war eine starke Inspiration für Komponisten, und es gibt etwa 121 Vertonungen seiner Werke - in dieser Hinsicht nur hinter Goethe, Heine und Rilke. Zu den Komponisten, die seine Gedichte vertonten, gehören Schubert, Robert und Clara Schumann, Brahms (u.a. Zwei Lieder für Stimme, Viola und Klavier), Josef Rheinberger, Mahler (Liederzyklen Kindertotenlieder, Rückert-Lieder), Max Reger, Richard Strauss, Zemlinsky, Hindemith, Bartók, Berg, Hugo Wolf, Heinrich Kaspar Schmid und Jah Wobble.

Berühmte Verse renommierter Poeten, die sich der Lyrik verschrieben haben: