Wolfgang Madjera

Herbstabschied im Walde

Die Luft ist grau. Baum rührt den Baum
Und rauscht mit leisem Neigen:
»Fühlst du die frischen Winde wehn?
Merkst du das tiefe Schweigen?
Nun, Freunde, laßt uns schlafen gehn;
Nun ist's um unsre Lust geschehn;
Nun heißt's, das grüne Prunkgewand
Und all den gold'nen Flittertand
Und alle Sommergaben
Verstreuen und begraben.«

»Nun laßt uns all die Liederpracht
Noch einmal dankbar preisen,
Mit der die holden Vögelein
Um's Haupt im Lenz uns kreisen.
Stimmt in ein freundlich Rauschen ein,
Das wir den stillen Blumen weih'n,
Die uns zu Füßen bunt geblüht;
Denkt auch mit fröhlichem Gemüt
Der fahrenden Gesellen,
Die ruhten an den Quellen.«

»Wie lange noch, und weicher Schnee
Hüllt uns in dichte Decken.
Dann, liebe Freunde, gute Nacht!
Und laßt euch nicht erschrecken,
Wenn fern die Axt im Walde kracht
Und zitternd ihr darob erwacht.
So ist's bestimmt im Lauf der Welt:
Die Stunde kommt, wo jeder fällt.
Mög' uns der Lenz mit süßen
Gesängen wieder grüßen!«