Gedichte Gedichte

Die besten Gedichte von Ada Christen (1839 - 1901) - einer österreichischen Schriftstellerin (Epoche des Realismus).

Bekannte Gedichte

Kurze Gedichte

Ich weiß, was all' die Marionetten taugen,
Wenn jene Drähte, die sie führen, reißen ...

 

Ganz eingerahmt in weichem Flaum
sind heute unsre Scheiben,
ich sehe durch die Lücken kaum
das wirre Flockentreiben.

La Comtesse

Sie kniet mit verschleiertem Antlitz
In der Kirche am Altar,
Erzählt dem geduld’gen Herrgott,
Wie tugendhaft sie war:
Für seine Krieger gesammelt
Hat sie an der Kirchenthür,
Manch’ schlanken Jüngling geworben –
Und wirbt noch für und für.

Goldschnittlyrik

Hübsch gelassen und hübsch zahm
Und der Sitte hübsch gehuldigt,
Die um jedes wahre Wort
Sich zehntausendmal entschuldigt!
Ist der Pegasus auch lahm,
Und gehörnt, anstatt geflügelt,
Trabt er hübsch solid doch fort,
Galoppirt nie - ungezügelt!

Menschen

Als ich, mit der Welt zerfallen,
   Schweigend ging umher,
Da fragten die lieben Menschen:
   Was quälet dich so sehr?

Ich sagte ihnen die Wahrheit;
   Sie haben sich fortgedrückt
Und hinter meinem Rücken
   Erklärt, ich sei verrückt.

Auf den Bergen

Freu’ Dich nicht des blauen Himmels,
Bist Du noch so harmlos, Kind?
Fühlst Du’s nicht? durch Erd’ und Himmel
Zieht gewitterschwüler Wind!
Trau’ nur nicht der Himmelslüge,
Nicht dem Sonnenlächeln trau’,
Denn es regnet, weinet innen –
Nur nach außen lacht es blau!

Mein Lied

Einschneidend ist mein Lied und peinlich,
So frostig wie die Winternacht,
Es hätte sonst nach mir wahrscheinlich
Manch' Thörin Ähnliches gebracht;
In Versen rauh und lebensfeindlich,
Wie ich geweint, geflucht, gelacht,
So derb-unkünstlich, geistig-kleinlich,
So tief gefühlt und - seicht gemacht.

So ist es

Du kennst mich nicht, du liebst mich nicht,
   Und Alles bist du mir;
Du hältst mich wie ein Spielzeug nur,
   Und Alles zieht mich zu dir.

Aus Moder, Schutt und Elend
   Schlagen heilige Flammen,
Dich wärmen sie nicht; – mein Leben
   Brennen sie zusammen.

Sehnsucht

Die Nacht ist ruhig und duftig,
   Die Luft weht lau und lind;
Unter den Sternenaugen
   Such' ich die deinen, mein Kind!

Ich möcht dich sehen und küssen,
   Mein Einz'ges, das Alles mir gab,
Ich möchte still bei dir liegen
   Im kleinen stillen Grab.

Leben & Werk

Christi(a)na von Breden, geborene Fr(i)ederik wurde 1839 in Wien geboren und wuchs mit wenig formaler Bildung auf. Ihr Vater wurde inhaftiert, weil er sich an einer der Revolutionen von 1848 im österreichischen Kaiserreich beteiligt hatte, und er starb früh, so dass die Familie verarmte. Christen wurde mit 15 Jahren Schauspielerin und schloss sich einer Gruppe von Wanderschauspielern an. Sie heiratete Sigmund von Neupar und kehrte nach Wien zurück. Ihr einziges Kind starb 1866, und ihr erster Ehemann, geisteskrank, starb 1868.

Ihr erstes Gedicht Lieder einer Verlorenen wurde am Sterbebett ihres Mannes geschrieben und mit Hilfe des Schriftstellers Friedrich von Saarland veröffentlicht. Mit Ermutigung von Freunden begann sie um diese Zeit, unter Pseudonym in Zeitschriften zu veröffentlichen. Lieder einer Verlorenen war sehr beliebt und wurde im nächsten Jahr erneut veröffentlicht. Insgesamt schrieb sie vier Gedichtbände. Außerdem schrieb sie Kurzgeschichten und Skizzen über das Überleben am Rande der Gesellschaft. 1873 heiratete sie den Adeligen Adalmar von Breden und wurde durch diese Heirat wieder finanziell abgesichert. Die Heirat ermöglichte ihr den Einstieg in die Wiener Elite und damit in den literarischen Kreis, dem auch Ludwig Anzengruber angehörte.

Durch die Vermittlung von Ferdinand von Saar erschien 1868 als erste Buchveröffentlichung ihr erster Gedichtband "Lieder einer Verlorenen", der durch seine Kombination von erotischem Freimut und sozialer Anklage zur Provokation des Bürgertums wurde und entsprechend hohe Auflagen erreichte

Berühmte Verse renommierter Poeten, die sich der Lyrik verschrieben haben: