Wilhelm Müller

Thermopylä

Heil! Heil! Nie wird Thermopylä den Sieg der Sklaven sehn.
Heil! Ewig wird Thermopylä, ein Hort der Freiheit, stehn.
Da kreist er mit dem Flammenschwert als Wächter um den Paß,
Den er mit seinem Blut gefeit, der Held Leonidas,
Und hinter ihm die ganze Schaar der Treuen bis zum Tod,
Mit grünen Kränzen auf dem Haupt, die Brust ganz purpurroth.
Nun rottet euch zusammen nur, ihr Sklaven und ihr Herrn!
Ihr Söldnerhorden, zieht heran, heran von nah und fern!
Wir stehen bei Thermopylä; wir stehen Mann für Mann,
Zu zeigen euch, was Freiheit ist, was Freiheit will und kann.
Leonidas, ein Blick auf uns, ein Blick auf sie hinab!
Und nun laß uns im Kampf allein – wir stehn auf deinem Grab,
Da stehen wir, da fallen wir, da scharren sie uns ein;
Mit unsern Leichen wollen wir des Grabes Decke sein,
Daß nimmer deinen heil'gen Staub berühr' ein Sklavenfuß;
Er trete lieber doch auf uns, wenn er hier treten muß.
Heil! Heil! Nie wird Thermopylä den Sieg der Sklaven sehn.
Heil! Ewig wird Thermopylä, ein Hort der Freiheit, stehn.
Schon einmal sprang der Türkenstahl an diesem Felsgestein,
Schon einmal sank der halbe Mond hier in den Staub hinein,
Schon manche neue Schatten auch sind über uns zu sehn,
Die mit der alten Heldenschaar umschweben diese Höhn.
Wir kennen euch, wir folgen euch getreu in Sieg und Tod,
Wir färben unsre Brust, wie ihr, mit schönem Purpur roth.
Heran, ihr Sklaven, nur heran! wir haben unser Mahl
Genossen schon im Morgenroth, geleert ist der Pokal.
Wir kränzen unsre Stirn zum Fest, wir kränzen unser Schwert
Zum Siegesfest, zum Todesfest – was uns der Herr gewährt;
Nur sei des Todes werth der Sieg, des Sieges werth der Tod!
Vor Sparta's Leichen bebte hier der medische Despot,
Und fühlte sich besiegt im Sieg, und sah es selber an
Mit finstrem Blick, was Freiheit ist, was Freiheit will und kann.
Heran, ihr Sklaven, nur heran! Auch ihr, ihr sollt es sehn!
Heil! Ewig wird Thermopylä, ein Hort der Freiheit, stehn.