Wilhelm Müller

Italienische Ständchen in Ritornellen

(Nachlese)

Von allen Tagen in der ganzen Woche
Ist keiner, der mich halb so glücklich mache,
Als der. so zwischen Samstag fällt und Montag.

Der ruft zur Messe wohl die armen Sünder:
Mir giebt er blanke Kleider, bunte Bänder,
Und führt mich so nach meiner Liebsten Thüre.

Die fromme Mutter betet für die Tochter.
Bet' auch für mich! — Geschäker und Gelächter,
Wohl auch ein Kuß, das ist's, was wir verbrochen.


Viel Mädchen giebt es, die im Meer sich waschen,
Viel Boote giebt es, die Korallen fischen:
Das Meer ist groß, und nimmer fehlt ihm Wasser.

Mein Mädchen ist die weißeste von allen,
Darum hab' ich die röthesten Korallen
Für sie gefischt und ihr geschenkt zum Bande.

Nun will der Neid sich schier das Herz zernagen —
Ihr Mädchen, sagt, ist es des Rothen wegen?
Ihr Bursche, sagt, ist's um die weiße Farbe?


Sieh, sieh, wie scheint der Mond so wunderhelle!
Wie ist die Nacht rings um mich her so stille!
Nichts hör' ich, als das Klopfen meines Herzens.

Das ist recht eine Nacht für warme Liebe!
Das ist recht eine Nacht zum Mädchenraube!
So möcht' ich fort mit meinem Liebchen ziehen!

Und wer ein Mädchen raubt, der ist kein Räuber,
Nein, heißt ihn einen wackern Buhler lieber!
Was meinst denn du dazu, mein holdes Bräutchen?


Mein Freund ward einst gefangen von Korsaren,
Die also scharf und hart mit ihm verfuhren,
Daß vor der Zeit sich bleichten seine Haare.

Oft hat er mir erzählt von seinen Ketten,
Und so erschrecklich war, was er gelitten,
Daß ich ihm kaum noch Glauben konnte schenken.

O weh, nun hat ein Mädchen mich gefangen
Und spielt in ihrer Liebesnetze Schlingen
Mir ärger mit, als ein Korsar — mir Armen!


Ob du schön bist, oder häßlich,
Macht mich froh nicht, noch verdrüßlich,
Denn du bist zu stolz und wählig.

Hinter'm Fenster blüht ein Blümchen,
Hinter'm Blümchen steht ein Dämchen:
Wer vorbeigeht, muß sich bücken.

Laßt mich nur das Blümchen pflücken,
Und es der an's Mieder stecken,
Dann will ich sie helfen rühmen.


Mutter, gieb mir deine Tochter,
Oder halt' ihr hundert Wächter —
Und sie wird dir doch gestohlen!

Laß bewachen Thor' und Thüren,
Ihre Hände, Lippen, Ohren:
Doch wer wird die Augen hüten?

Wenn man wehrt den Sonnenstrahlen
Durch die Wolken sich zu stehlen,
Liebchen, dann ist Zeit, zu zagen.


Jüngst küßte mich ein Bürschchen ungebeten:
Ich wischte mir den Mund und will ihm rathen,
Daß er nicht wieder mir zu nahe trete.

Und wenn ich meinen kleinen Liebsten sehe,
So wisch' ich auch den Mund und tret' ihm nahe;
Er aber, ach! er mag's noch nicht verstehen.

Heut' frug er: was mich in den Mund gestochen?
Ich aber mußt' aus vollem Halse lachen,
Und faßt' ihn mir, und küßt' ihn, was ich konnte.


So oft die hellen Vesperglocken läuten,
Und unsrer lieben Sonne matte Gluthen
Ihr rosenrothes Bette sich bereiten:

Dann steigt ein Licht empor in meinem Busen,
Und warm und Helle wird mein ganzes Wesen,
Mein Herz erwacht, wann alles geht zur Ruhe.

Denn andrer Glocken Töne hört es schallen: -
Der Laute Schlag, Gesang, des Pfeifchens Gellen,
Der Angeln Knarren, leiser Tritte Hallen.


Frühmorgens, wenn ich auf die Arbeit ziehe
Und an dem Hause still vorübergehe,
In dem sie schläft, die mir den Schlaf vertrieben:

Dann seufz' ich oft und denk' an ihren Schlummer,
Und dieses Sinnen übernimmt mich immer
So stark, daß ich da stehn kann ganze Stunden,

Bis mir die Sonne in die Augen leuchtet,
Und sich mein Haupt gestärkt gen Himmel richtet,
Als hätt' ich eine Nacht bei ihr verträumet.