Ludwig Anzengruber

Scheiden

Wer in hilflosem Jammer
Sein Liebstes sterben sieht,
Der weiß nicht, welche Klammer
Ihn noch zur Erde zieht.

Sie weinte, als sie bange
Auf ewig Abschied gab,
Die Thräne rann die Wange
Der Toten sanft herab.

O Thrän' aus liebem Auge
In bittrer Scheidestund',
O Thräne, trübe Lauge
Du brennst das Herz mir wund!

Nichts beut dem kranken Herzen
Als weher Trost sich dar,
Daß es das letzte Schmerzen,
Die letzte Thräne war.