Johannes Dose

Weihnachten

Du Wonne aller Wonnen,
Geweihte Nacht des Herrn!
Du Sonne aller Sonnen,
Gebenedeiter Stern,
Du aller Töne Ton:
Uns ist ein Kind geboren,
Des Hochgelobten Sohn!

Still war das Weltgetriebe
In mitternächt’ger Stund‘,
Als laut die ew’ge Liebe
Tat frohe Botschaft kund:
Nach tausendjähr’gem Weh
Soll Friede sein auf Erden
Und Ehre in der Höh‘.

Kommt alle Welt und küsset
Und schaut dies Kindlein an,
Ob ihr nicht sprechen müsset:
Eia, ich hab‘ den Mann,
Ich hab‘ das höchste Gut
Als Fleisch von meinem Fleische
Und Blut von meinem Blut.

Die tausend Kinder lagen
Im Bettlein weich und warm,
Da hat man Ihn getragen
Aus seines Vaters Arm,
Da wird Er für und für
Auf dunkler, kalter Erde
Gelegt vor deine Tür.

Siehst du den Stern nicht scheinen
Hell in dein Kämmerlein?
Und hörst du nicht ein Weinen
Wie eines Kindes Schrei’n?
Er fleht: Nimm mich herein
Aus Winterschnee und Kälte
In deines Herzens Schrein!

Bereite ihm ein Bette
Im Herzen warm und weich;
Dafür gibt er die Stätte
In seines Vaters Reich.
Dies Kindlein wunderbar
Ist eines Reiches Erbe
Und Königssohn fürwahr.

Wer Einer dieser Kleinen
Um Liebe, nicht um Lohn
Gehalten wie die Seinen,
Hat reichen Segen schon;
Wer aber misst den Lohn
Des‘, der ein Kind genommen? –
Und es war Gottes Sohn!