Ida John

Krankentrost

Den Schwachen und den Kranken
Erblüht im tiefsten Leid
Von köstlichen Gedanken
Ein Kranz der Seligkeit.
Was Andre gar nicht sehen,
Was keine Schrift erweist,
Das können sie verstehen
Mit fein geschärftem Geist.

Sie lesen alle Lettern
In Gottes Wunderbuch,
Von Sternen, Wolken, Blättern
Manch heilig hohen Spruch.
Wie's draußen stürmt, sie bleiben
Im stillen Kämmerlein;
Es dringt mit ihrem Treiben
Die laute Welt nicht ein.

Beklage nicht dein Leben,
Nicht Einsamkeit und Schmerz;
Sei still und beug' ergeben
Dem Herrn dein gläubig Herz.
Er hilft die Last dir tragen,
Der Winter zieht vorbei;
Nach dunklen Krankheitstagen
Kommt auch zu dir der Mai.